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Geschwisterposition

begleiten, beleben, bestärken

In Familien mit mehreren Kindern wachsen Geschwister unterschiedlichen Alters und Geschlechts miteinander auf. 
 

Ausgabe: 37/2018
11.09.2018
- Veronika Burtscher-Kiene
© ©Christin Lola - stock.adobe.com

Naturgegeben nimmt dabei jedes Kind eine bestimmte Position in der Geschwisterreihe ein. Die meisten Menschen haben nun gleich ein klares Rollenbild vor Augen: das altkluge, verantwortungsbewusste, eher egoistische erstgeborene Kind; das „Sandwichkind“, das sich durchsetzen muss und oft übersehen wird oder die Rolle des Vermittlers einnimmt; zum Schluss noch das „Nesthäkchen“, das mehr Freiheiten bekommt und lebt, gleichzeitig aber auch von allen beschützt wird. 

 

Die Last der Nummer

Manche Gesellschaftsschichten gehen noch weiter. Hier bestimmt rein der Zeitpunkt der Geburt das weitere Leben des Kindes – manchmal noch unter Einfluss des Geschlechts. In Monarchien z. B. ist oft klar, dass das erstgeborene Kind die Krone übernehmen wird. Oder in älteren Unternehmerfamilien ist unabhängig von Interesse oder Fähigkeit festgeschrieben, dass das Erstgeborene die Firma eines Tages leiten wird. 
Es gibt auch zahlreiche Geschichten in der Bibel und in Märchen, die mit diesen Rollenklischees arbeiten. Auch die früheren Forschungen gingen davon aus, dass die Position in der Geschwisterreihe die Persönlichkeit jedes Kindes bestimmt.

 

Fehlende Individualität

Wenn wir diesen Ansatzpunkt gedanklich weiterverfolgen, kommen wir jedoch unweigerlich zu der Erkenntnis, dass wir auf diese Weise die Individualität und die Persönlichkeit eines Kindes ersticken. Wir lassen ihm keinen Raum, sich selber zu finden oder auch zu verändern. Und es wird zudem den Geschwistern untereinander die Möglichkeit genommen, sich zu positionieren, sich als Personen und Geschwister selber zu definieren.

 

Vorurteilsfreiheit

Kinder können sich ihre Geschwister nicht aussuchen, und dennoch stellen Geschwisterbeziehungen vor allem für Kinder ein wichtiges „Lernfeld“ dar. Hier lernen sie, Kompromisse zu verhandeln, konstruktiv zu streiten oder auch sich gegen einen gemeinsamen „Feind“ zu verbünden. Sie sind das „Trainingsfeld“ für alle zukünftigen Beziehungen. Damit dieses aber für eine individuelle Entwicklung genutzt werden kann, ist es die Aufgabe der Eltern und anderen Erwachsenen, die Geschwister nicht in die vorurteilsbehafteten Rollenkorsetts zu stecken. Sie nicht mit Erwartungen und Vorstellungen zu überlagern, die möglicherweise aufgrund ihrer Geburtsreihenfolge entstehen. Jedes Kind muss primär in seiner Persönlichkeit wahrgenommen und ernst genommen werden. So kann es sich frei und eigenständig entwickeln, ohne Einfluss des Zufalls „Geschwisterposition“.

 

Brüderlein und Schwesterlein

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