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Gehalten in Gottes Hand

Kunst & Kultur

Die Verstorbenen sind nicht vergessen. Ihre Namen sind in den Herzen – und in den Grabsteinen eingeschrieben. In der Hoffnung auf die Auferstehung und im Erinnern an die Menschen, die einmal mitten unter uns gelebt haben, besuchen Tausende Menschen zu Allerheiligen und Allerseelen die Gräber. Auf die Gestaltung der Friedhöfe und Urnengräber wird dabei viel Augenmerk gelegt.   

Ausgabe: 44/2018
30.10.2018
- Elisabeth Leitner
© Karl Sperker

Eine Urnengruft, die Licht von oben hereinlässt. Ein tiefes Grün im Hintergrund, das die Farbe der Hoffnung  symbolisiert, und die Namen der Verstorbenen in Blattgold, um sie dem Vergessen zu entreißen: Das sind die Eckdaten der neuen Urnengruft in Sierning, die zu Allerheiligen gesegnet wird. Das zarte Kreuz, das golden leuchtet, scheint zu schweben. „Wir wissen unsere lieben Verstorbenen nicht in der dunklen Erde, sondern im Lichte der Auferstehung und gehalten in Gottes liebender Hand“, sagt dazu Pfarrer Karl Sperker. 

 

Von der Erde – zur Erde

Gemeinsam mit dem Kunstreferat hat die Pfarre die Gestaltung der neuen Urnengruft auf dem Friedhof vorangetrieben. Der Entwurf von Künstlerin Katharina Struber und Architekt Klaus Gruber wurde von vielen helfenden Händen umgesetzt. Da Feuerbestattungen auch in Oberösterreich mehr werden, sind immer öfter würdevolle Urnengestaltungen gefragt. In der Diözese Linz gilt, dass Urnen ausnahmslos in der Erde zu bestatten sind, gemäß dem Wort „Von der Erde bist du gekommen und zur Erde kehrst du zurück“. Auch in der Pfarre Goldwörth gibt es nun die Möglichkeit, Urnen in der Erde zu bestatten. Von Künstler Roman Pfeffer, erst kürzlich mit dem „Dagmar Chobot Skulpturenpreis“ ausgezeichnet, stammt die Gestaltung. Schon weithin sichtbar ist der Schriftzug „In Erinnerung an“, der für alle Verstorbenen gilt. PGR-Obfrau Sandra Bötscher beschreibt ihn so: „Die nach oben bzw. unten offene Schrift soll uns die Vergänglichkeit aufzeigen – zum einen Richtung Himmel, zum anderen Richtung Erde. Eine Erinnerung an einen Verstorbenen ist immer etwas Unvollständiges – das will die unvollkommene Schrift zum Ausdruck bringen.“ Das Besondere daran: Die Schrift wurde in Sgraffito-Technik aus dem neu aufgetragenen Putz herausgekratzt – die Erinnerung geht wie im Leben eine Schicht tiefer. Vor der gestalteten Wand befinden sich drei neue Urnengräber. – Eine neu gestaltete Friedhofsmauer gibt es auch in Linz: Sie ist von außen gut sichtbar und hat eine Botschaft in mehrfacher Hinsicht. Der mit echtem Moos gestaltete Schriftzug an der Außenwand des Barbarafriedhofs greift auf ein Stifterzitat zurück, das die Künstlerin Katharina Anna 
Loidl bei Adalbert Stifter entdeckt hat: „Alles ist für uns auf Erden ein Paradies; denn das Paradies liegt alle Mal in uns.“ Bei der Eröffnung des Kunstprojekts wandelten an die 70 Besucher/innen von Musik und Text begleitet durch den Friedhof und ließen sich an vier Stationen von Stifter’schen Textpassagen inspirieren. 

 

Gedenkorte für stillgeborene Kinder

Künstlerisch gestaltete Begräbnisorte und Aufbahrungshallen (siehe auch Seite 29) werden mehr, das gilt auch für Gedenk­orte – besonders für stillgeborene Kinder. In Eferding wird zu Allerheiligen eine Gedenkstätte für alle jene Kinder gesegnet, die vor oder während der Geburt sterben. Diesen Kindern einen Ort zu geben, an denen die Eltern trauern und innehalten können, ist wichtig. Bruno und Elisabeth Lipp haben die neue Gedenkstätte gestaltet.

 

Zur Sache

Allerheiligen/Allerseelen

An dem Fest, an dem der Besuch auf dem Friedhof zum festen Tagesritus geworden ist, denkt die katholische Kirche an alle christlichen Heiligen. Für die Patinnen und Paten und „Godnkinder“ ist der 1. November als „Godntag“ bedeutend. Zu Allerheiligen und Allerseelen werden die Friedhöfe besucht; das Gedenken an die Verstorbenen gehört zum ältesten religiösen Verhalten der Menschen. 

 

Geschichte von Allerheiligen

Das Fest wurde ursprünglich eine Woche nach Pfingsten gefeiert und war somit in den Osterfestkreis integriert. In Irland wurde das Fest später auf den Beginn des keltischen Jahres gelegt. Im 8. Jahrhundert wurde diese Festlegung auch bei uns übernommen. Seitdem wird Allerheiligen am 1. November gefeiert. In den Heiligen verehrt die Kirche Menschen, an denen das gute Handeln Gottes sichtbar geworden ist. Sie sind beispielhaft Zeugen dafür, dass Gott auch für und durch uns das Gute will. Die Heiligenverehrung begann mit der Verehrung der Märtyrer/innen (bedeutet „Blutzeugen“) der ersten christlichen Jahrhunderte, die aufgrund ihres Glaubens ermordet wurden. Die Christinnen und Christen trafen sich an den Gräbern der Märtyrer/innen oder verehrten später deren Reliquien. 


- Wissenswertes zu Allerseelen siehe "Der Tag dananch"
- Zur Urnenbestattung: Es werden keine neuen Urnenwände bzw. Urnennischen mehr genehmigt, bestehende Anlagen können weiterhin genützt werden. Mehr dazu in der Publikation der Abteilung Liturgie des Pastoralamtes: Kremation - Urnenbeisetzung - Beisetzungsstätten

Friedhöfe als Orte der lebendigen Erinnerung. Mit echtem Moos gestaltete Friedhofsmauer am Barbarafriedhof in Linz.
Friedhöfe als Orte der lebendigen Erinnerung. Mit echtem Moos gestaltete Friedhofsmauer am Barbarafriedhof in Linz.
Musik und Literatur an Stifters Grab.
Musik und Literatur an Stifters Grab.
 Gedenkort für stillgeborene Kinder in Eferding.
Gedenkort für stillgeborene Kinder in Eferding.
Gestaltete Friedhofsmauer mit Urnengräbern in Goldwörth.
Gestaltete Friedhofsmauer mit Urnengräbern in Goldwörth.
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