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Inhalt:
Endlich wieder Konzerte live erleben – auch im Stift Schlägl

„Die Musik braucht ein Du“

Kunst & Kultur

Das Aufatmen ist groß: Konzerte, Theater und Lesungen sind unter Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen wieder möglich. Auch das Stift Schlägl lädt im August zu zwei Konzerten ein. „Die Musik braucht das Publikum“, sagt Fr. Ewald Nathanael Donhoffer. 
 

Ausgabe: 32/2020
04.08.2020
- Elisabeth Leitner
Musiker, Veranstalter, Ordensmann: Fr. Ewald Nathanael Donhoffer ist interimistischer Stiftskapellmeister im Stift Schlägl.
Musiker, Veranstalter, Ordensmann: Fr. Ewald Nathanael Donhoffer ist interimistischer Stiftskapellmeister im Stift Schlägl.
© Stift Schlägl

„Endlich dürfen wir wieder!“, schreibt Frater Ewald Nathanael Donhoffer vom Stift Schlägl und kündigt gleich zwei Konzerte im August an. „Die Krise ist zwar noch nicht ausgestanden, aber die Musik – auf ihre Art wohl die beste Form der Krisenbewältigung – darf wieder live erklingen“, ist er voll der Vor-Freude. Donhoffer ist im Stift Schlägl interimistischer Stiftskapellmeister, ein engagiertes Team unterstützt ihn. Während der Woche studiert der ausgebildete Musiker – er ist Dirigent und Organist – in Linz Theologie. 

 

Stellenwert von Musik

Auf die Frage, welchen Stellenwert die Kirchenmusik heute in der Diözese Linz hat, zeichnet Fr. Ewald N. Donhoffer ein differenziertes Bild. Wie vielen ist es auch ihm unverständlich, dass die (Kirchen-)Musik im neuen Strukturprozess nicht vorkommt: „Der Linzer ‚Zukunftsweg’ kommt völlig ohne jegliches Statement zum Komplex der ‚musica sacra’ aus – oder verweist das auf den Umstand, dass Kirchenmusik eine Art unbewusste Selbstverständlichkeit unserer Glaubenspraxis ist?“, fragt sich Donhoffer. Sie mit anderen Gruppierungen zu vergleichen, die auch nicht explizit erwähnt würden, greift für ihn zu kurz: „Was nicht gesehen wird: kirchenmusikalische Arbeit ist pastorale Arbeit, ist ein pastoraler Dienst an der Gemeinde. Deshalb sollte sie auch im Stellenplan berücksichtigt werden: es ist eine Investition in das Ehrenamt.“ Organist/innen, Kantor/innen und Chöre sind als Musikschaffende Teil der liturgischen Feier, nicht nettes Beiwerk, Dekoration oder Luxus. Mit „Musik ist Liturgie“ hat schon das 2. Vatikanum die Bedeutung der Musik im Gottesdienst hervorgehoben. Donhoffer dazu: „Die Kirchenmusik hat einen Auftrag des Konzils und müsste aus diesem Grund Teil der Strukturreform sein.“ An der Katholischen Privatuniversität in Linz wird seit dem Studienjahr 2019 „Gesang in der Liturgie“ für das Modul Gemeindeleitung angeboten und gut angenommen. „Das ist ein erster Schachzug“, sagt Donhoffer. 

 

Töne sammeln

Auf die Frage, ob Kunst systemrelevant sei, erinnert Donhoffer an Janoschs Grille, die Töne sammelt für die kalte Jahreszeit. „Essen und Trinken allein ist es nicht. Die Corona-Krise hat auch gezeigt, was den Menschen wichtig ist: Nach Klopapier ist Kunst gehamstert worden – und das in jeglicher Form.“ Musik, Filme, Bücher, Bildende Kunst zählt er dazu. Donhoffer sieht das in einem größeren Zusammenhang: „Das schöpferische Element ist in der Ebenbildlichkeit festgemacht. Der Mensch ist zur schöpferischen Tätigkeit geboren.“ Sie ist Teil seines Wesens. In Bezug auf die Kirchenmusik sagt er: „Jedes Gemeindemitglied, das mitsingt, ist schöpferisch, schöpft eine Melodie nach, die zum Beispiel aus dem 16. Jahrhundert stammt.“ Hier lässt sich auch in die Geschichte der Kirchenmusik eintauchen – ganzheitlich mit jeder Note, mit jedem Ton: „Unsere Kehle formt heute Klänge, die Menschen schon vor 400, 800, ja über 1.000 Jahren gesungen haben.“

 

Aktives Zuhören

„Musizieren ist für mich immer auch Gebet“, erzählt er. Wichtig ist ihm zu betonen, dass es aber nicht um ihn als Musiker gehe. Zwar zählen für ihn Erfahrungen der Musik zum Fundament seines Glaubens, doch vielmehr gehe es ihm um das Zuhören: „Musik ohne Zuhörer ist sinnlos. Da geht es nicht um den Applaus, sondern um das zuhörende Element – das ist auch eine Form der ‚participatio actuosa’ (Sacrosanctum Concilium 21).“ Das zuhörende Publikum verändert die Musiker/innen, den Dirigenten und die Interpretation des Werkes. Die Musik braucht ein Du, ein Gegenüber.“– Und wer genau das erleben will, hat bei den nächsten Sommerkonzerten im Stift Gelegenheit dazu.

 

Konzerte im Stift Schlägl

Am 14. August, um 19.30 Uhr ist die Professorin für Cembalo der Anton-Bruckner-Universität Linz, Anne Marie Dragosits, im Sommerhaus zu Gast. Musik von Johann Kuhnau, Johann Sebastian Bach sowie seinen Söhne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emmanuel wird erklingen. Am 22. August, um 19.30 Uhr folgt ein Konzert in der Stiftskirche. Mit dem Barockensemble Armonico Tributo Austria unter Lorenz Duftschmid musiziert ein Virtuose des selten zu hörenden Instruments Zink (historisches Blasinstrument): Josue Meléndez. Zu hören ist Musik des 17. und 18. Jahrhunderts.
Reservierung aus Sicherheitsgründen an der Stiftspforte erbeten: Tel. 07281 8801

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