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Inhalt:
Cybermobbing

Virtuelles Prügeln stoppen

Bewusst Leben

Cybermobbing und dessen Folgen werden unterschätzt, sagt Cybersecurity-Experte Benjamin Richter. Er gibt Tipps, was Eltern und Kinder gegen Schikanen auf Social Media und Co. tun können.
 

Ausgabe: 22/2022
31.05.2022
- Lisa-Maria Langhofer
Mobbing und Cybermobbing in der Kindheit können prägen und es im Erwachsenenalter schwer machen, Beziehungen aufzubauen.
Mobbing und Cybermobbing in der Kindheit können prägen und es im Erwachsenenalter schwer machen, Beziehungen aufzubauen.
© Lightfield Studios/Stockadobe

Wurde früher ein Kind in der Schule gemobbt, hatte es zuminest „nach dem letzten Glockenschlag, wenn es die Schule verließ und nach Hause ging, seine Ruhe“, sagt Cybersecurity-Experte Benjamin Richter.

 

Heutzutage könne das Mobbing jeden Tag rund um die Uhr weitergehen, da spätestens nach der Volksschule die meisten ein Handy besitzen und auf WhatsApp, Facebook, Tiktok Snapchat und anderen Social Media Plattformen unterwegs sind. Dort sind sie dann zusätzlich Beleidigungen, Hass und Hänseleien in Form von Kommentaren, Fotos und Video ausgesetzt. „Wenn eine Gruppe virtuell auf einen Menschen einprügelt, kann das Selbstbewusstein besonders von jungen Menschen schnell schwinden.

 

Die Person fragt sich vielleicht, was stimmt mit mir nicht, hat die Gruppe vielleicht irgendwie recht? Daraufhin zieht sich das Opfer immer mehr zurück, igelt sich ein, und das Umfeld merkt oft erst zu spät, was los ist.“ 

 

Kind ernst nehmen

 

Es sei daher umso wichtiger, Anzeichen früh zu erkennen.  Eltern rät Richter, den Stellenwert des Handys, den dieses für die Kinder und Jugendlichen hat, ernst zu nehmen: „Sagen Sie zu Ihrem Kind: Erzähl doch einmal, womit beschäftigst du dich denn gerade? Eltern haben meist sowieso feine Antennen dafür, ob etwas dem Kind gut tut oder ob vielleicht etwas schief läuft. Sie sind das wichtigste Bindeglied zum Kind, es soll das Gefühl haben, dass es immer zu ihnen gehen kann, wenn es Probleme gibt.“

 

Bei kleineren Kindern empfiehlt der Experte, Internetfilter einzubauen und mit „Whitelists“ zu arbeiten, also nur bestimmte Inhalte für das Kind freizugeben. „So kann vermieden werden, dass das Kind gewaltvolle, pornografische oder rassistische Inhalte konsumiert, abstumpft und vielleicht selbst zum Täter wird.“ 

 

Ruhe bewahren, Hilfe suchen

 

Von Hasspostings, Fakebildern und dergleichen solle man sich zunächst einmal nicht aus der Ruhe bringen lassen, sagt Richter: „Wenn es schon im Internet steht, kann ich erst einmal nichts daran ändern. Ich kann mich natürlich beispielsweise an Facebook wenden, aber bis da etwas passiert, dauert es.“ Attackiert eine Mobbinggruppe jemanden, solle der/die Betroffene auf keinen Fall zu diskutieren anfangen, sagt Richter: „Da verliert man immer und im schlimmsten Fall hat dann die Gruppe erst recht etwas gegen mich in der Hand.“

 

Apropos etwas in der Hand haben: Sollte es derart eskalieren, dass die Polizei eingeschaltet werden muss oder es zu einem Prozess kommt, ist es gut, Beweise vorzeigen zu können. Dazu gehören gespeicherte Textnachrichten und Bilder und Screenshots aus dem Internet. Polizei und Justiz sieht Richter allerdings als letzten Ausweg, davor sollte durch Präventionsmaßnahmen ein Bewusstsein bei den Kindern und Jugendlichen geschaffen werden. Auch Eltern, Lehrpersonal und generell die Gesellschaft sollten das Problem ernster nehmen, meint Richter, denn Mobbingerlebnisse im Kindesalter können sich bis ins Erwachsenenleben auswirken: „Einstigen Mobbingopfern kann es schwer fallen, Beziehungen und Vertrauen zu anderen Menschen aufzubauen, sodass sie Begegnungen meiden und sich erst recht zurückziehen.“


Sich Informationen und Verbündete zu suchen, sei ein weiterer wichtiger Punkt. Noch gebe es nicht viel dazu im Internet, Richter verweist aber auf zwei Plattformen, die neutrale Meinungen bieten (siehe Hinweis unten).  Die Seite saferinternet.at bietet generell Infos zur sicheren Nutzung des Internets Einen humorvollen Zugang wählt etwa Thomas Feibel, Leiter des Büros für Kindermedien in Deutschland (siehe Buchtipp) «

 

Infos und Hilfe: www.buendnis-gegen-cybermobbing.de, www.cybermobbing-hilfe.de, www.saferinternet.at, Mobbingberatung der Diözese Linz: 0732 76 10 36 10

Thomas Feibel: Cybermobbing. Hilda und Hulda lösen jeden Fall, medhochzwei Verlag 2021, 101 S. € 9,99
Thomas Feibel: Cybermobbing. Hilda und Hulda lösen jeden Fall, medhochzwei Verlag 2021, 101 S. € 9,99
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