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Psychologie: Ist ADHS eine Modediagnose oder steckt viel mehr dahinter?

GUT ZU WISSEN _

Psychotherapeutin Carmen Rella erklärt, was ADHS ist und was bei Verdacht auf Aufmerksamkeitsdefizitstörung zu tun ist. 

Ausgabe: 16/2025
15.04.2025
- Carmen Rella
© Chen auf Pixabay

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) stellt ein komplexes psychisches Krankheitsbild dar und wird heutzutage nicht nur im Kindesalter, sondern auch immer öfter im Erwachsenenleben diskutiert. Soziale Medien haben stark dazu beigetragen, dass die Krankheit manchmal als Modediagnose wahrgenommen wird. 

 

Auslöser und Anzeichen

 

Die Ursachen von ADHS sind vielschichtig. Genetische Veranlagungen haben einen Einfluss, auch das familiäre Umfeld und die Erziehungsbedingungen spielen eine wichtige Rolle. Kinder, die in einem Umfeld aufwachsen, in dem klare Strukturen und Regeln fehlen oder in dem ein hoher emotionaler Stress vorherrscht, sind eher gefährdet, ADHS zu entwickeln.

 

Ein besonders kritischer Aspekt in der aktuellen Diskussion um ADHS sind die unterschiedlichen Symptome zwischen den Geschlechtern. Männer neigen dazu, ihre ADHS-Symptomatik in Form von ausgeprägter Hyperaktivität und impulsivem Verhalten zu zeigen, was oft eine frühzeitige Diagnose begünstigt. Frauen hingegen zeigen ein weniger klares Bild. Bei ihnen stehen oft anhaltende innere Unruhe, emotionale Labilität und Schwierigkeiten in der Selbstorganisation im Vordergrund. Diese Symptome können leicht fehlinterpretiert werden, weshalb die Diagnose meist erst im späteren Lebensverlauf erfolgt.

 

Diagnose und Therapie

 

Eine sorgfältige Anamnese, bei der sowohl familiäre als auch soziale Faktoren berücksichtigt werden, ist unerlässlich. Außerdem kommen standardisierte Fragebögen und Testverfahren zum Einsatz. Diese helfen, die Intensität und Ausprägung der Aufmerksamkeitsdefizite, Hyperaktivität und Impulsivität zu messen.

 

Die Therapie von ADHS ist sehr individuell. In der medikamentösen Behandlung wird versucht, den Hormonhaushalt von Dopamin/Noradrenalin auszugleichen, da dieser bei ADHS oft zu niedrig ist. In der psychotherapeutischen Behandlung können ein anderer Umgang mit den Symptomen erlernt, Alltagsstrategien entwickelt und störende Verhaltensmuster verändert werden.

 

Fazit

 

ADHS ist weit mehr als ein populäres Schlagwort. Es handelt sich um eine komplexe Störung, die eine differenzierte Betrachtung und individuelle Lösungsansätze erfordert. Nur durch eine fundierte Diagnostik und maßgeschneiderte Therapie kann den vielfältigen Herausforderungen, die ADHS mit sich bringt, nachhaltig begegnet werden.

Carmen Rella, Psychotherapeutin in freier Praxis, Innsbruck www.carmenrella.at
Carmen Rella, Psychotherapeutin in freier Praxis, Innsbruck www.carmenrella.at
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