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Auf den Bauernhof gekommen

GESELLSCHAFT_SOZIALES

Vom Leben und Arbeiten auf dem Bauernhof träumen viele, die nicht aus der Landwirtschaft kommen – immer öfter setzen Menschen diesen Traum auch um. Ludwig Rumetshofer und Katharina Forster sind zwei davon.

Ausgabe: 27/2025
01.07.2025
- Judith Moser-Hofstadler
Ludwig Rumetshofer und seine Frau Katharina Forster betreiben gemeinsam den Biohof „Bretterbauer“ in Braunau.
Ludwig Rumetshofer und seine Frau Katharina Forster betreiben gemeinsam den Biohof „Bretterbauer“ in Braunau.
© Alois Stockhammer (3)

Es ist noch immer „das Streben nach sozialer und ökologischer Gerechtigkeit“, das ihn antreibe, sagt Ludwig Rumetshofer. Gemeinsam mit seiner Frau Katharina Forster betreibt er den Biohof „Bretterbauer“ in Braunau. Das haben die beiden ursprünglich nicht vorgehabt. Ludwig ist in einem Einfamilienhaus im Mühlviertel aufgewachsen. Er war aber oft am Hof der Großeltern. Nach der Schule begann er, vorerst Internationale Entwicklung in Wien zu studieren und ist dann auf Agrarwissenschaften umgestiegen. Das Fach hat ihn derart gefesselt, dass er ganz umgestiegen ist. Auch weil Rumetshofer begonnen hat, sich überparteilich agrarpolitisch zu engagieren. Er hat bei der „Österreichischen Berg- und KleinbäuerInnen Vereinigung“ (ÖBV) gearbeitet, wollte diese Anliegen aber auch aktiv in der Landwirtschaft umsetzen.
Auch seine spätere Frau Katharina Forster hat als Kind Biolandwirtschaft in ihren Anfängen erlebt, bei Onkel und Tante, denen die Eltern die Flächen des eigenen, nicht bewirtschafteten, Betriebes verpachtet hatten. Katharina hat in Wien Architektur studiert und dann dort gearbeitet. „Ich war mir sehr sicher, dass ich mit der Landwirtschaft nichts zu tun haben werde“, erinnert sie sich. Sie hat sich beruflich viel mit Themen im ländlichen Raum auseinandergesetzt. Irgendwann hat sie erkannt, dass sie Lust darauf hatte, selbst in der Landwirtschaft zu arbeiten und mit Ludwig gemeinsam einen Betrieb aufzubauen. 

 

Schritt für Schritt


Die Eltern haben oft ins Spiel gebracht, ob nicht eines der fünf Kinder die Landwirtschaft wieder aktivieren möchte, das hat aber lange nicht gefruchtet. „Wir sind nach und nach draufgekommen, dass wir das machen möchten“, erzählt Katharina Forster. „Und dann sind wir das Schritt für Schritt angegangen.“ Die beiden waren privilegiert, weil die Grundflächen in der Familie vorhanden waren. Vor dem Start haben sich Ludwig und Katharina bei einer „Gemüsebau-Reise“ durch Österreich, die Schweiz und Deutschland Gemüsebetriebe angesehen. Die Flächen wurden vorerst nicht aus der Pacht genommen, sondern gemeinsam mit dem Hof des Onkels bewirtschaftet, als ein Betrieb auf zwei Höfen. Aus dem Biohof Bretterbauer und dem Schaberlhof entstand die Marke „BioBraberl“, unter der seither gemeinsam vermarktet wird. Die Betriebe wurden später wieder geteilt. Rumetshofer und Forster sind für Ackerbau und Gemüse zuständig, der Partnerhof betreibt Mutterkuhhaltung und einen mobilen Hühnerstall. So werden Kreisläufe genutzt: Es gibt Mist für den Acker vom Viehbetrieb, der bekommt wiederum Stroh von den Getreidefeldern. Größere Arbeiten, etwa bei der Ernte, werden gemeinsam erledigt.

 

Den Betrieb aufbauen


Der Einstieg in die Landwirtschaft war ein langer Prozess. Nicht nur, was den technischen und baulichen Aufbau anbelangte, was kostenintensiv war und ist. Den vorhandenen Wohnraum kann das Paar nutzen. Die Eltern sind in das bestehende Ausgedinge übersiedelt, der Bruder, der die Schmiede übernommen hat, hat mit seiner Familie darüber eine Wohnung gebaut. „Uns war wichtig, dass die, die schon da waren, gut artikulieren und umsetzen können, wie sie wohnen und leben möchten“, erzählt Katharina Forster. Auch die Eigentumsverhältnisse haben gut abgeklärt werden müssen, es geht zusätzlich darum, mögliche Konflikte unter der nächsten Generation vermeiden zu können. Dabei haben die Erfahrung aus der früheren beruflichen Tätigkeit geholfen. Einerseits von Ludwig mit seiner Arbeit bei der ÖBV, wo unter anderem Zukunftsperspektiven für die Landwirtschaft eine wichtige Rolle spielten, ebenso die von Katharina, die Gesellschafterin im Planungsbüro nonconform ist, das partizipative Planungsprozesse und deren Umsetzung begleitet. Schön ist, dass die anderen Geschwister froh darüber sind, dass es jemanden gibt, der die Landwirtschaft weitermacht und sie an den Ort ihrer Kindheit kommen können. Die beiden haben den „weichenden Erben“ nichts auszahlen können. Was ihnen zusteht, haben die Eltern mit den Geschwistern ausgemacht. „Betrieblich haben wir ja nur die Flächen übernommen“, gibt Rumetshofer zu bedenken.
Heute arbeitet Ludwig Rumetshofer voll in der Landwirtschaft, Katharina Forster ist neben der Landwirtschaft ca. 20 Wochenstunden bei nonconform tätig. Die beiden haben zwei Söhne im Alter von sechs und drei Jahren. Auf 2,5 Hektar wachsen rund 30 Gemüsekulturen, auf 37 Hektar Acker vor allem Getreide als Mahlgetreide, aus dem auch wöchentlich Sauerteigbrot gebacken wird. Das Gemüse wird direkt vermarktet. Insgesamt bewirtschaften die beiden Betriebe knapp 40 Hektar Nutzfläche und 5 Hektar Wald. „Quereinstieg in die Landwirtschaft ist eine fordernde Sache“, meint Ludwig Rumetshofer. „Es stimmt schon, dass ‚selbstständig‘ heißt, dass man sich ständig selber einteilt!“ Auch die finanzielle Situation ist eine große Herausforderung. Insgesamt sei es aber eine schöne Aufgabe, Land zu bearbeiten und Lebensmittel für die Menschen in der Umgebung zu produzieren.

 

Übergeber in der Beratung


Die Tendenz, dass es vermehrt Einsteiger:innen in der Landwirtschaft gibt, nimmt auch Katharina Watzinger von der Landwirtschaftskammer OÖ wahr. „Es gibt viele Betriebe, die schlicht keine Nachfolger haben, weil die Übergeber keine Kinder haben oder sich die Kinder außerlandwirtschaftlich orientiert haben“, weiß die Juristin. „Dann kommen sie zu uns in die Beratung und sagen, sie hätten das auch mit ihren Kindern abgesprochen – ihnen ist wichtig, dass der Betrieb weitergeht.“ Watzinger verweist auch auf den Verein Perspektive Landwirtschaft, der sich in diesem Bereich etabliert hat (www.perspektive-landwirtschaft.at).


Neben der Beratung gibt es auch Broschüren zum Downloaden von der Landwirtschaftskammer zu den Themen Übergabe-Übernahme: ooe.lko.at/hofübergabe-broschüre+2400+3610942.
 

Ludwig Rumetshofer studierte Internationale Entwicklung, Katharina Forster Architektur.
Ludwig Rumetshofer studierte Internationale Entwicklung, Katharina Forster Architektur.
© Alois Stockhammer
Ludwig Rumetshofer und seine Frau Katharina Forster betreiben gemeinsam den Biohof „Bretterbauer“ in Braunau.
Ludwig Rumetshofer und seine Frau Katharina Forster betreiben gemeinsam den Biohof „Bretterbauer“ in Braunau.
© Alois Stockhammer
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