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Die Milch über den Kopf schütten

Bewusst Leben

Mit zunehmendem Alter kann das Gedächtnis schon mal nachlassen. Aktivierungs- und Gedächtnistrainerin Martina Heubach gibt Tipps, was Senior/innen im Alltag gegen die Vergesslichkeit tun können und wie sich Demenz teilweise vermeiden oder mildern lässt.

Ausgabe: 38/2021
21.09.2021
- Lisa-Maria Langhofer
Kreuzworträtsel lösen und in Gesellschaft sein sind nur zwei Dinge, die die Merkfähigkeit im Alter steigern und Demenz vorbeugen können.
Kreuzworträtsel lösen und in Gesellschaft sein sind nur zwei Dinge, die die Merkfähigkeit im Alter steigern und Demenz vorbeugen können.
© ©highwaystarz - stock.adobe.com

Sich die Neugier bewahren und aus dem Haus gehen – das ist die Formel, mit der Senior/innen ihr Gedächtnis verbessern und Demenz vorbeugen können, sagt Aktivierungs- und Gedächtnistrainerin Martina Heubach: „Trainieren Sie so viel wie möglich das Gehirn, das geht auch ohne großen Aufwand.“

 

Gedächtnistraining im Alltag

Viele Aktivitäten, die das Gedächtnis trainieren, lassen sich einfach in den Alltag einbauen: Kreuzworträtsel und Sudokus lösen, Wörter im Buchstabensalat suchen und viel Kopfrechnen, anstatt den Taschenrechner zu benutzen. „Was vielen Senior/innen Spaß macht, ist ein Wort waagrecht oder senkrecht auf einen Zettel zu schreiben und zu jedem Buchstaben andere Wörter zu suchen“, sagt Heubach. Hier ein Beispiel mit dem Wort „Kürbis“: K wie Kind, Ü wie Überzug, R wie Reise und so weiter. Eine lustige Methode, sich die Einkaufsliste einzuprägen, anstatt alles zu notieren, hat Heubach ebenfalls parat: „Nehmen wir an, Sie brauchen unter anderem Milch, Brot und Butter. Die Milch schütten Sie sich gedanklich über den Kopf, das Brot nehmen Sie auf die Schulter, die Butter unter den Arm und so weiter.“

 

Habe ich wirklich ...?

Viele kennen das: Man verlässt das Haus und weiß plötzlich nicht mehr, ob man den Herd wirklich ausgeschaltet hat. Um das zu verhindern, rät Heubach, sich das Tun bewusst zu machen: „In dem Moment, wo ich die Herdplatte ausschalte, sage ich laut zu mir: Ich mache jetzt die Herdplatte aus. So bleibt man ganz bei der Sache und die Aktion geht über ins Langzeitgedächtnis. Heubach rät zudem, Senior/innen-Treffs zu besuchen, wo etwa (Computer-)Spiele gespielt, Frage-und-Antwort-Spiele oder eben Gedächtnistrainings gemacht werden. „In Gesellschaft bekommt das Gehirn laufend Informationen in Form von Bildern und Geräuschen und kann diese folglich auch nicht vergessen.“

 

Ernährung und Bewegung

Auch die Ernährung spielt für die Merkfähigkeit eine Rolle. Bewusst und ausgewogen essen und vor allem viel trinken, rät die Gedächtnistrainerin: „Zu wenig Flüssigkeit führt zu einer schlechten Durchblutung, was sich wiederum demenzfördernd auswirken kann.“ Als Kräuterfachfrau empfiehlt Heubach zudem die Verwendung von Gingko-Extrakt und Zistrose. Ersterer beuge Durchblutungsstörungen vor und Letztere wirke ähnlich wie Vitamin C, nur stärker. Für die Konzentration und das Gedächtnis ist auch ausreichend Bewegung wichtig, wie Studien belegen.  „Gehen Sie in den Wald spazieren oder melden Sie sich zum Seniorenturnen an“, schlägt Heubach deshalb vor und ergänzt: „Wohin Sie auch gehen, nehmen Sie Ihre Umgebung bewusst wahr und übeprüfen Sie zu Hause, was Sie sich alles gemerkt haben.“ Die Expertin betont, dass sich niemand schämen muss für seine oder ihre Gedächtnisprobleme: „Häufig glauben die Betroffenen, sie sind allein, aber das stimmt nicht. Es geht vielen gleich, deshalb haben Sie keine Scheu, sich schon bei ersten Anzeichen Hilfe bei einem Arzt, einer Demenzservicestelle oder Gedächtnisambulanz Hilfe zu holen. Dadurch können viele Probleme vermieden werden.“

 

Martina Heubach ist Dipl. Aktivierungs- und Gedächtnistrainerin, ärztlich geprüfte Aromatologin, ausgebildete Heimhilfe sowie Kräuterfachfrau und
arbeitet in der St. Notburga Pflege Jenbach in Tirol als Heimhilfe und in der Tagesbetreuung.

Martina Heubach
Martina Heubach
© heubach
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