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Viele Wege führen nach Rom

Die Avocado aus dem Garten bei Sr. Brigitte Thalhammer in Rom

WELTKIRCHE_

Dass Papageien den Ordensfrauen die Kakifrüchte wegnaschen, findet Sr. Brigitte Thalhammer ärgerlich. Sonst freut sie sich über die grüne Umgebung und den Weitblick am Gianicolo-Hügel in Rom.

Ausgabe: 32/2023
08.08.2023
- Monika Slouk
Sr. Brigitte Thalhammer schaut gerne über die Dächer Roms.
Sr. Brigitte Thalhammer schaut gerne über die Dächer Roms.
© Slouk

Eine gute halbe Stunde geht man zu Fuß vom Petersplatz zur Weltzentrale der Salvatorianerinnen. Oder etwas länger, wenn man immer wieder stehenbleibt, um den Ausblick vom Gianicolo-Hügel über den römischen Stadtteil Trastevere und zu den Sehenswürdigkeiten auf der anderen Seite des Flusses Tiber zu genießen.

 

Auf dem Gianicolo liegt ein ehemaliges Krankenhaus der Salvatorianerinnen, es wird heute von einer privaten Gesellschaft betrieben. Wer die breite Krankenhausauffahrt hinaufgeht, sieht als Erstes nicht das Spital, sondern ein mehrstöckiges klassizistisches Gebäude. Seine Symmetrie und die mächtigen Säulen neben dem Haupteingang geben ihm den Stolz eines Herrenhauses.

 

Tatsächlich werden in diesem Haus richtungsweisende Entscheidungen getroffen, die Auswirkungen in verschiedenen Kontinenten haben. Allerdings ist es keine Herrschaft, die entscheidet, sondern ein Team von sieben Ordensfrauen, die 2019 in die sogenannte Generalleitung gewählt wurden und sechs Jahre lang die Verantwortung für das Zusammenleben und Wirken der 900 Salvatorianerinnen weltweit tragen. Bei der Wahl wurde darauf geachtet, dass in der Leitung unterschiedliche Erdteile vertreten sind. Mit Erfolg, denn dem Leitungsteam gehören Frauen aus Kolumbien und Brasilien, dem Kongo, aus Indien, Polen – und Österreich an. „Es ist eine Übung in Universalität“, sagt die Österreicherin Sr. Brigitte Thalhammer, die für die wirtschaftlichen Belange der Ordensgemeinschaft zuständig ist. 

 

Kennenlernen mit Google Maps

 

Am Anfang haben sich die international zusammengewürfelten Ordensfrauen Zeit genommen, um einander kennenzulernen. „Mithilfe von Google Maps haben wir uns gegenseitig gezeigt, wo wir herkommen, wie es dort aussieht, was uns bewegt. Das war sehr interessant. Es war eine Erfahrung von ‚Sisterhood‘, von einer starken Verbundenheit in all unserer Verschiedenheit. Wir hätten noch mehr Zeit dafür gebraucht.“

 

Trotz aller Verbundenheit ist es im Alltag eine Herausforderung, mit der Verschiedenheit umzugehen, spricht die Generalökonomin Thalhammer aus Erfahrung. Wie man etwas plant (zum Beispiel, ob es einen strukturierten Planungsprozess gibt), wie man zu Entscheidungen kommt (zum Beispiel, ob man Entscheidungskriterien festlegt), wie man mit Konflikten umgeht (zum Beispiel, ob man ausspricht, was einen nervt) – das alles wird nicht nur durch persönliche Charakterunterschiede erschwert, sondern auch durch die verschiedenen Mentalitäten und Erfahrungshintergründe.

 

Auch in der Ausdrucksweise der Spiritualität gibt es Unterschiede, in der Art zu beten. Doch damit hätten sie einen guten Umgang gefunden, schildert Sr. Brigitte Thalhammer. „Es ist wirklich Respekt da. Wir können einander in dieser Verschiedenheit sein lassen.“

 

Es geht auch ganz anders

 

Darin liegt die Kraft des internationalen Zusammenlebens, trotz aller Hürden, meint Thalhammer: „Zu erkennen, dass man auch ganz anders ans Ziel kommen kann. Die eigenen fixen Vorstellungen zu hinterfragen und zu bemerken: Stimmt, es geht auch ganz anders!“

 

Die Erfahrung der Weltkirche im siebenköpfigen Team schärft den Blick auf die katholische Kirche weltweit. „Die Vielgestaltigkeit wird deutlicher. Gleichzeitig wächst auch das Fragezeichen, wie die Vielgestaltigkeit gut zusammengehen kann. Es gibt eine große Ungleichzeitigkeit in der Kirche.“ Daher kommt es immer wieder vor, dass man im innerkirchlichen Gespräch einfach nicht zusammenfindet. „Ich frage mich, wer da eine Art Übersetzungsarbeit leisten könnte. Es müsste doch im Vatikan genügend Leute geben, die in verschiedenen Welten zuhause sind und zwischen diesen Welten vermitteln könnten.“

 

Wichtig wäre das gegenseitige Vertrauen, „dass die anderen schon auch katholisch sind. Und Verständnis für Formen, die uns vielleicht fremd sind. Den Respekt, den wir gerne hätten für unsere Themen in Mitteleuropa, den müssen wir auch für die Themen der anderen haben.“ 

 

Es kam ganz anders

 

Sr. Brigitte Thalhammer ist in Vorarlberg und am Hallstätter See aufgewachsen und mit ihrer oberösterreichischen Heimat nach wie vor verbunden. Bevor sie nach Rom übersiedelt ist, hat sie neun Jahre lang die Salvatorianerinnen in Österreich und Ungarn geleitet. Dass sie in die Generalleitung geholt wurde, kam für sie unerwartet. Eigentlich hatte sie sich einen anderen Lieblingsort zurechtgelegt für die Zeit nach der Provinzleitung: das Wertemanagement im Ordenskrankenhaus St. Josef in Wien. „Die Frage war mir wichtig: Was ist ein christliches Krankenhaus, wenn viele, die dort arbeiten, keine Christen und Christinnen sind? Und die, die zur Behandlung kommen, sind auch großteils nicht christlich – was heißt das für uns?“

 

Doch davor ging die Provinzleiterin in 10-tägige ignatianische Exerzitien. „Dort habe ich darum gebetet, dass ich offen bin für die Aufgabe, die mir von der Gemeinschaft entgegenkommt.“ Also konnte sie die Anfrage aus Rom dann schwer ablehnen. Die wirtschaftlichen Belange hatten sie schon in der Provinzleitung interessiert, und sie hatte sogar einmal zwei Semester Betriebswirtschaftslehre studiert. „Doch dort war ich von lauter Karrieretypen umgeben, das war nicht mein Platz, daher habe ich aufgehört.“ Gute Voraussetzungen aber, die Herausforderung in der Generalleitung anzunehmen, und so kam sie nach Rom.

 

„Ich habe keinen Hund“

 

Italienisch musste sie dafür erst lernen. Allerdings hatte sie auch dafür günstige Voraussetzungen: Denn sie hatte bereits Latein, Französisch, etwas Spanisch und Portugiesisch gelernt. Fast schade, dass sie Italienisch nicht täglich braucht, denn im Generalat wird Englisch gesprochen.

 

In Rom selbst ist ihr Netzwerk ausbaufähig. „Es ist nicht einfach, Beziehungen außerhalb der Kirchenkreise zu knüpfen.“ Das lag einerseits an Corona. Aber nicht nur. „Ich habe ja keine Kinder in der Schule und auch keinen Hund, mit dem ich Gassi gehe.“ Daher pflegt sie auch Telefonkontakt nach Österreich. Das heißt nicht, dass sie nicht gerne in Rom wäre. „Rom ist schön, und der Ort, an dem wir leben, ist wunderbar.“

 

Sr. Brigitte Thalhammer genießt die Mahlzeiten auf der Dachterrasse des Ordenshauses. Von den verschiedenen Terrassen öffnet sich der Weitblick in mehrere Himmelsrichtungen. „Diese Weite liebe ich“, sagt die Ordensfrau aus tiefem Herzen. Und wenn sie zur Nachspeise dann noch eine Avocado aus dem eigenen Garten holt, stärkt das Mahl sowohl den Leib als auch die Seele.

 

   

Die Terrasse des Generalats

 Die Terrasse des Generalats.

 

Salva ... was?

 

Für „wohlbehalten“ oder „heil“ steht das lateinische Wort „salvus“. Damit hängt der „Salvator“ zusammen, der Heiland.

 

Johann Baptist Jordan gründete im ausgehenden 19. Jahrhundert eine Bewegung, die ursprünglich Männer und Frauen, Laien und Priester umfasste. Daraus entstanden drei Gemeinschaften, darunter die „Schwestern des Göttlichen Heilands“.

 

Sie werden Salvatorianerinnen genannt und tragen das Ordenskürzel SDS, was für „Sorores Divini Salvatoris“ steht. Die Quelle ihrer Spiritualität ist eine lebendige Beziehung mit Jesus Christus – dem Salvator.

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Reinhard Macht ist ehrenamtlicher Diakon im SR Jenbach-Münster-Wiesing und Gemeindeberater in der Diözese Innsbruck.

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