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Neuer Klang für alten Text

Glaube

Worte der Verheißung

Die Lesungen des Alten Testaments für die Adventzeit
Teil 1 von 4

Elisabeth Birnbaum
Direktorin des Österr. Katholischen Bibelwerks 

 

„In jenen Tagen

und zu jener Zeit

werde ich für David
einen gerechten Spross
aufsprießen lassen.“
Jeremia 33,15

Ausgabe: 48/2018
27.11.2018
- Elisabeth Birnbaum
Eine grüne Pflanze mitten in der judäischen Wüste ist eine Spur von Leben und Hoffnung.
Eine grüne Pflanze mitten in der judäischen Wüste ist eine Spur von Leben und Hoffnung.
© NIE

Der alttestamentliche Lesungstext des erstens Adventsonntags aus dem Jeremiabuch gehört zu den bekannteren Texten der Bibel (den ganzen Text finden Sie auf der Sonntagsdoppelseite in der Mitte dieser Ausgabe). Daher wird vermutlich auffallen, dass er plötzlich an manchen Punkten nicht mehr so gewohnt klingt wie bisher. Das hat einen einfachen Grund:

Merk auf! Ab dem ersten Adventsonntag werden die Texte der Lesungen nach der neuen, revidierten Fassung der Einheitsübersetzung gelesen. Dieser Text ist damit der allererste, der aus dem neuen Lektionar verkündet wird. Gleich der erste Satz klingt neu. „Siehe, Tage kommen“, statt wie früher: „Seht, es werden Tage kommen.“ Die alte Fassung klang geschmeidiger, aber auch ein bisschen gemütlicher. Das Neue, das hier angekündigt wird, die unsagbare Verheißung, dass sich das Heilswort Gottes erfüllen wird, geriet dadurch ein bisschen in ein wohliges Räkeln statt in den angemessenen Ruck. 
Nun heißt es, wörtlicher übersetzt: „Siehe!“ Jeder und jede Einzelne wird dadurch angesprochen. Du! Du merk auf, wach auf, komm aus deiner Trägheit heraus, „Tage kommen!“, das ist ein Appell! 
„Spruch des HERRN“: Die zweite Änderung ist nicht hör-, sondern nur lesbar: Das Wort „Herr“ steht nun in Kapitälchen (eine spezielle Form von Großbuchstaben). Für den Lektoren/die Lektorin soll dadurch deutlich werden, dass es sich bei dem Wort um ein Ersatzwort für den alttestamentlichen Gottesnamen JHWH handelt. Früher war das nicht erkennbar. Der Gottesname wurde teils mit „Herr“ und teils mit „Jahwe“ wiedergegeben.

Vielfalt. Auch im heutigen Text hieß es im ersten Satz „Herr“ und im letzten Satz „Jahwe“ für dasselbe hebräische Wort. Nun ist das vereinheitlicht. Die klare Kennzeichnung als Ersatzwort soll Raum geben für die Vielfalt an Namen und Bezeichnungen, die in uns mitschwingen, wenn wir an Gott denken. Der Heilige, Unaussprechliche offenbart in seinem geheimnisvollen Namen eine Verheißung, die in sich all das birgt, wie Gott uns erfahrbar wird.
Verheißen wird ein „Spross“ Davids, ein Nachkomme des großen Königs, ein königlicher Erbe. Im Ringen um die Frage, ob das Volk einen König haben sollte oder nicht, war eines der wichtigsten Argumente für den König, dass man sich von ihm Recht und Gerechtigkeit erwartete. Dieser Spross wird nun nicht mehr „für Recht und Gerechtigkeit sorgen“, sondern – weil die alte Formulierung in heutigen Ohren wohl ein wenig zu sehr nach „Sheriff“ klingt – er wird Recht und Gerechtigkeit wirken: Damit spielt sich einerseits die Vorstellung von einer segensreichen Wirkung seines Tuns ein, andererseits auch ein „Bewirken“, das mit „werken“ zu tun hat. Der „Spross“ arbeitet für Recht und Gerechtigkeit, aber es ist kein aggressives Tun, sondern ein besonnenes Handeln, das etwas entstehen lässt. Der Aufruf ergeht an jede/n: Schau hin, es entsteht etwas Neues, Wunderbares! Die lang ersehnte Gerechtigkeit ist im Kommen. Der HERR sendet einen Retter, der das bewirken wird. 


Mehr zur Bibel auf: www.jahrederbibel.at

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