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„Ungläubige können den Willen Gottes manchmal besser erfüllen“

Jeden Tag vor der Wahl

Glaube

Papst Franziskus stellt das „Gleichnis vom barmherzigen Samariter“ in unsere Zeit, in unser Leben, wenn er schreibt: „Jeden Tag stehen wir vor der Wahl, barmherzige Samariter zu sein oder gleichgültige Passanten, die distanziert vorbeigehen.“

Ausgabe: 15/2021
13.04.2021
- Eugen Giselbrecht
Der Glaube öffnet das Herz gegenüber den Mitmenschen – oder auch nicht.
Der Glaube öffnet das Herz gegenüber den Mitmenschen – oder auch nicht.
© ARIS MESSINIS / AFP / picturedesk.com

„Und wenn wir den Blick auf die Gesamtheit unserer Geschichte und auf die ganze Welt ausweiten, sind wir oder waren wir wie diese Gestalten: Wir alle haben etwas vom verletzten Menschen, etwas von den Räubern, etwas von denen, die auf Distanz vorbeigehen, und etwas vom barmherzigen Samariter. Es gibt einfach zwei Arten von Menschen: jene, die sich des Leidenden annehmen, und jene, die um ihn einen weiten Bogen machen; jene, die sich herunterbücken, wenn sie den gefallenen Menschen bemerken, und jene, die den Blick abwenden und den Schritt beschleunigen. In der Tat fallen unsere vielfältigen Masken, unsere Etikette, unsere Verkleidungen: Es ist die Stunde der Wahrheit.

 

Das Gleichnis beginnt

mit den Räubern. Der Ausgangspunkt, den Jesus wählt, ist ein schon geschehener Überfall. Er lässt uns nicht lange über das Vergangene klagen. Er lenkt unseren Blick nicht auf die Räuber. Wir kennen sie. Wir sehen in der Welt die dunklen Schatten der Verwahrlosung, der Gewaltanwendung aufgrund von schäbigen Machtinteressen, von Gier und Konflikten anwachsen ... Weiter lässt uns das Gleichnis einen Blick auf die richten, die vorbeigehen. Diese gefährliche Gleichgültigkeit, nicht anzuhalten …, ist die Frucht der Geringschätzung oder einer betrüblichen Zerstreutheit, und macht aus dem Priester und dem Leviten nicht weniger traurige Spiegelbilder jener Absonderung von der Wirklichkeit.

 

Es gibt viele Weisen

des Vorbeigehens, die einander ergänzen. Eine besteht darin, sich auf sich selbst zurückzuziehen, sich nicht für die anderen zu interessieren, gleichgültig zu sein. Eine andere Weise wäre, nur woandershin zu schauen ... Bei jenen, die vorbeigehen, gibt es eine Besonderheit, die wir nicht übersehen dürfen: Sie waren religiöse Menschen. Mehr noch, sie widmeten sich dem Gottesdienst: ein Priester und ein Levit. Das ist eine besondere Bemerkung wert: Es weist darauf hin, dass die Tatsache, an Gott zu glauben und ihn anzubeten, keine Garantie dafür ist, dass man auch lebt, wie es Gott gefällt. ... Es gibt hingegen Weisen, den Glauben so zu leben, dass er zu einer Öffnung des Herzens gegenüber den Mitmenschen führt, und dies ist Gewähr für eine echte Öffnung gegenüber Gott ... Paradoxerweise können diejenigen, die sich für ungläubig halten, den Willen Gottes manchmal besser erfüllen als die Glaubenden.


Die „Straßenräuber“

haben für gewöhnlich als geheime Verbündete jene, die „die Straße entlanggehen und auf die andere Seite schauen“. Es schließt sich der Kreis zwischen jenen, welche die Gesellschaft ausnutzen und hintergehen, um sie auszuplündern, und jenen, die meinen, die Reinheit ihrer entscheidenden Funktion bewahren zu können, aber zugleich von diesem System und seinen Ressourcen leben ... Auf diese Weise nährt man Desillusionierung und Hoffnungslosigkeit, und dies stärkt weder die Solidarität noch die Großzügigkeit. Wenn man ein Volk mutlos macht, dann schließt sich ein wahrer Teufelskreis: So funktioniert die unsichtbare Diktatur der eigentlichen verborgenen Interessen, welche die Ressourcen beherrschen wie auch die Meinungsbildung und das Denken bestimmen.“

 

Mitmenschlich

Papst Franziskus widmet dem barmherzigen Samariter in der Enzyklika „Fratelli tutti“ ein ganzes Kapitel. Ab dem Sonntag der Barmherzigkeit stellt Pfarrer Eugen Giselbrecht seine Lieblingszitate daraus vor.

 

Teil 2 von 3

mit Pfarrer Eugen Giselbrecht

Pfarrer Eugen Giselbrecht
Pfarrer Eugen Giselbrecht
© Leo Forte
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Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin 
und Referentin für Spiritualität im 
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