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Raus aus der Sakristei

Bischof Mark Sopi führt die kleine Schar der Katholiken im Kosovo
Ausgabe: 2002/43, Sopi, Bischof, Kosovo
24.10.2002
- Josef Wallner
Mit 64 Jahren ist Mark Sopi der älteste Geistliche der Diözese – für den Bischof ein Zeichen, wie jung und lebendig die Kirche des Kosovo ist.

Bischof Mark Sopi kommt ins Schwärmen, wenn er von „seiner“ Diözese erzählt: Natürlich sind die 60.000 Katholiken unter den 1,9 Millionen Bewohnern des Kosovo eine kleine Schar, aber in den 24 Pfarren pulsiert das Leben: „An den großen Festen kommen so gut wie alle Gläubigen in die Kirche.“ Da 60 Prozent der Albaner noch keine 30 Jahre alt sind, hat auch die Kirche ein junges Gesicht.

Freiheit als Herausforderung

Doch der Bischof gibt sich keinen Illusionen hin. Nach den Jahrzehnten kommunistischer Herrschaft, in denen die Kirche nur in den Gotteshäusern und Sakristeien wirken durfte, haben die Katholiken noch einen langen Weg zurück in die Gesellschaft vor sich. Aber die ersten Schritte sind getan. Der Bischof selbst geht voran: zielstrebig trotz aller Vorsicht.
Dem Hauptproblem der Menschen – einer Arbeitslosigkeit von über 50 Prozent – steht die Kirche machtlos gegenüber, aber: „Wir geben den Leuten, was wir können – nämlich Erziehung und Ausbildung.“ Fünf Kindergärten hat er bereits eröffnet. Eine Hauptschule und ein Gymnasium werden folgen. Für den Bischof keine Frage, dass die Einrichtungen der Kirche jedem Kind unabhängig seiner Zugehörigkeit zu Religion oder Volksgruppe offen stehen.
Zu den Muslimen hat Msgr. Sopi gute Beziehungen, ausländische Regierungsvetreter schätzen ihn als Mann des Ausgleichs. Und dank seiner starken Persönlichkeit wird die katholische Minderheit geachtet. Keine Selbstverständlichkeit in einem Land, das politisch instabil ist und in dem Machtspiele, Gerüchte und Verdächtigungen zum Alltag gehören. Wortkarg wird der sprach- und sprachengewandte Bischof, wenn es um das Verhältnis zur serbisch- orthodoxen Kirche geht. An seinem persönlichen Wollen zur Versöhnung gibt es nicht den geringsten Zweifel. Er arbeitet in einem vom Westen initiierten interreligiösen Gesprächskreis mit, in dem sich religiöse Würdenträger aus ganz Südosteuropa treffen. Wie nach den Jahren des serbischen Terrors, der Vertreibungen und Massaker wieder ein friedvolles Nebeneinander möglich wird, dafür hat auch er kein Rezept. Vor allem weil zur Zeit auch von der serbisch-orthodoxen Kirche keine Signale kommen.
Eine Hürde auf dem Weg der Versöhnung sieht Bischof Sopi im ungeklärten Status des Kosovo. Sei 1999 – dem Eingreifen der Nato – steht der Kosovo unter UN-Verwaltung. Die Unabhängigkeit würde ein Faktor der Stabilität sein und ein Anstoß die Probleme aufzuarbeiten, ist der Bischof überzeugt: „Ich fürchte mich nicht vor der Zukunft. Wir haben noch nie eine so große Freiheit gehabt wie jetzt.“
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