Gott und das Glück – so hieß der Titel eines Seminars, das Dorothee Sölle zusammen mit ihrem Mann Fulbert Steffensky leitete. Der Tod der bekannten evangelischen Theologin bei dieser Veranstaltung nahe Göttingen löste unter theologisch und literarisch interessierten Menschen Betroffenheit aus. Jahrzehnte hatte die Theologin und Schriftstellerin den Menschen Impulse geschenkt.
Eines ihrer Bücher heißt „Mutanfälle“. Es genügt nicht, gegen Unrecht, Krieg oder Diskriminierung zu rebellieren und bei der Empörung stehen zu bleiben. Die Denkschriften und Gedichte Dorothee Sölles münden in einer Strategie. Man kann eben doch etwas tun. Deshalb engagierte sie sich in der Friedensbewegung, deshalb war sie empfindsame Feministin. Deshalb brachte sie ihr Denken und Glauben in berührenden und starken Formulierung zum Ausdruck. Ihre Sprache war das Gedicht – nicht die Parole. Letztere schreit nur, ersteres geht tief.
Glaube nährt sich nicht nur aus amtlichen Formulierungen, Enzykliken oder Konzilsdokumenten. Selbst die Glaubenssätze, wie sie seit den Aposteln überliefert werden, bedürfen der ständigen Übersetzung in die Sprache des je eigenen Lebens – und in die Gesellschaft hinein. Dorothee Sölles Leser und Leserinnen fragten sich nicht, ist sie nun evangelisch oder katholisch? Ihre Schriften sprachen eine andere Dimension an. Texte mit Verstand, die zu Herzen gehen. „Gott und das Glück“ war nicht nur ihr letztes Thema. Sie wollte nicht, dass Menschen dieses Glück leichtsinnig aus den Augen verlieren.