Das Zeremoniell ist jährlich dasselbe. Zu den Gedenkfeiern um den Jahrestag der Befreiung in Mauthausen, Gusen, Ebensee und an den anderen Orten des Grauens kommen tausende Menschen aus Österreich und – besonders viele – aus dem Ausland. Jetzt hat Oberösterreich einen zusätzlichen Bedenkort erhalten. Schloss Hartheim.
Drei Geschichten prägen das Schloss. 1896 hatte Fürst Camillo Starhemberg Schloss Hartheim der oberösterreichischen Landesregierung für die Pflege Behinderter übergeben. In Hartheim wurde nach den Erkenntnissen der Zeit fortschrittliche Behindertenarbeit geleistet. Die Landwirtschaft um das Schloss bot Arbeit und Unterhalt. Auf diese erste Geschichte folgt die zweite: Die Geschichte des Grauens. Behinderte, später Lagerhäftlinge, wurden in Hartheim getötet. Was sich an Spuren dieser dunklen Jahre noch finden lässt, ist in der nun eröffneten Gedenkstätte dokumentiert. Behindertenheime waren regelrecht leergeräumt worden. Wenn ein Bus eintraf, dauerte es nur zwei Stunden, bis die Menschen verbrannt, die Asche und die Knochenreste weggeschafft waren.
Bei der Eröffnungsfeier machte die Hartheim-Forscherin Gitta Sereny darauf aufmerksam wie Menschen dazu gebracht wurden, sich an das Töten zu gewöhnen. Aus netten Familienmenschen wurden Bestien.
Jetzt – die dritte Geschichte – ist Hartheim Lern- und Bedenkort. Hier wird nicht produziert. Ob im ehemaligen Jugoslawien oder im Irak – vor der Gewöhnung an das Töten ist keine Zeit gefeit.