Die Berichterstattung rund um die Befreiung der entführten Österreicher ist ein Sittenbild heimischer Medien. Noch bevor ein Provinzpolitiker die Weltöffentlichkeit von der Befreiung aller Geiseln informieren konnte, vermeldete es das auflagenstärkste Kleinformat auf der Titelseite. Doch bald zeigte sich, dass „alle“ nur „alle Österreicher“ meinte. Seither werden die katastrophalen Bedingungen der Geiselhaft geschildert, vor allem die eintönige Nahrung: alte getrocknete Datteln! Aber was essen jene in der Sahara, die nicht freiwillig dort hinfahren. Im Übrigen sind nach wie vor über 7000 Algerier im Land spurlos verschwunden. Und die Regierung in Algier rührt seit Jahren keinen Finger, um ihr Schicksal zu klären.
Walter Achleitner
Kinderbonus?
Mit einer Inseratenkampagne wirbt die Regierung seit zwei Wochen für ihre Pensionsreform. Sie hat offenbar erkannt, dass die Verunsicherung vieler Menschen auch auf die mangelhafte Information zurückzuführen ist. Deshalb sollte man wenigstens jetzt den Leuten reinen Wein einschenken. Dass dies nicht geschieht, zeigt das Inserat „Kinderbonus für die Pension“. Unter der Ankündigung „Was die Reform wirklich bringt“ heißt es: 2 Jahre Pensionsbegründung, 3 Jahre Durchrechnungsrabatt, 4 Jahre Ersatzzeit. Tatsächlich werden pro Kind statt bisher 18 in Hinkunft 24 Monate pensionsbegründend angerechnet; die Ersatzzeiten gelten wie bisher. Verschwiegen wird, dass viele Frauen dennoch zu den großen Verlierern der Reform werden, weil durch die Verlängerung der Durchrechnungszeit ihre familienbedingten Teilzeitjahre in die Pensionsberechnung einfließen.