Bestmögliches Nutzen der zur Verfügung stehenden Zeit, noch mehr hinein zu packen in noch kürzerer Zeiteinheiten – galt als wirtschaftliches Erfolgsrezept. Der Schnellste ist der Erste. Nur: Das Glück der Menschen hielt nicht mit. Die Zufriedenheit blieb auf der Strecke und auch der Sinn. „Entschleunigung“ und „Entdeckung der Langsamkeit“ waren angesagt. Selbst große Betriebe haben das erkannt. Sie setzen auf zufriedene Mitarbeiter.Europäische Politik steht vor einer spannenden Frage. Nicht nur mit der Zeit, auch mit den materiellen Reserven ist man an die Grenzen des Leistbaren geraten. Die anstehende Pensionsreform ist zur Zeit der Kristallisationspunkt dieser Frage. Dass eine Reform kommen muss, scheint unumstritten. Wie, das gilt es – mit der Zeit, die das braucht – auszuverhandeln. In eine Sackgasse gerät die Diskussion, wenn sie nur unter dem Gesichtspunkt geführt wird, dass Menschen etwas genommen oder gar „geraubt“ wird. Ein entschleunigter, auch ein bescheidenerer und schonender Lebensstil wäre kein Verlust, sondern ein Gewinn. Das Ziel gilt es vor Augen zu stellen. Es geht – so drückte es Bischof Aichern bei der Solidaritätspreisverleihung der Kirchenzeitung aus – um einen Umbau, an dessen Ende ein Mehr an Gerechtigkeit stehen muss. Das ist die Kernfrage – und darüber sollte der Streit gehen. Wer nur blockiert, verbaut Zukunftschancen – oder lastet die Probleme denen auf, die sich noch nicht zu Wort melden können. Und – vielleicht täte auch der Politik eine Entschleunigung gut.