Bei „Work out?!“ arbeiten Lehrlinge und arbeitslose Jugendliche zusammen
Ausgabe: 2003/21, VOEST, Lehrlinger, Jugendliche, Arbeitslose, Work out,
21.05.2003
- Heinz Niederleitner
Arbeitende und arbeitssuchende Jugendliche leben oft in getrennten Welten. Im Projekt „Work out?!“ arbeiten sie zusammen und lernen so die Lebenssituation der anderen besser kennen und verstehen.
Eigentlich ist sie die ruhige Insel inmitten des pulsierenden VOEST-Geländes. Doch beim Projekt „Work out?!“ wird auch in der Christlichen Betriebsgemeinde geschweißt, gehämmert, geschnitzt, gesprayt und mit Ölfässern Musik gemacht. 18 Produktionstechnikerlehrlinge und 18 arbeitssuchende Jugendliche aus der Produktionsschule factory in Linz arbeiten gemeinsam an verschiedenen Projekten.
Rhythmische, wenn auch ungewohnte Klänge erwarten den Besucher im Garten der Betriebsgemeinde: Mit Holzschlägeln schlagen die Jugendlichen auf die Seiten und die Böden von alten Ölfässern. Die Perfektionswut ist ausgebrochen, denn am Abend hat das Musikstück Uraufführung und da sollten alle im Takt schlagen. Eine andere Gruppe schnitzt Totempfähle – einer wird schon in die Erde versenkt. Gleich zwei Gruppen gestalten die Außenwände von zwei Eisenbahnwaggons mit Graffiti. Auch hier arbeiten sie schon am letzten Schliff. In einer anderen Ecke des Gartens wird Metall geschnitten und wieder zusammengefügt: Aus Schrott bauen die Jugendlichen Skulpturen zusammen.
Arbeit ist nicht alles!
„Hier arbeiten zwei Gruppen zusammen, die normalerweise nicht viel miteinander zu tun haben: arbeitssuchende und arbeitende Jugendliche“, erzählt Rainer Tüchlberger. Er ist seitens der Katholischen Jugend/Forum Arbeit am Projekt beteiligt. Die KJ arbeitet hier mit der Produktionsschule factory des Vereines für Sozialprävention und Gemeinwesenarbeit, dem Betriebsrat der voestalpine und der Lehrwerkstätte zusammen. Jugendliche aus beiden Gruppen sollen sich die eigene Lebenssituation und die der anderen bewusst machen. Dabei geht es nicht nur um Arbeit und Arbeitslosigkeit, sondern um die gesamte Lebenswelt der Jugendlichen. Welchen Wert hat Arbeit (und eben nicht nur Erwerbsarbeit) im Leben? Wie geht es den anderen als Arbeitende/Arbeitssuchende? Wie können wir unsere Fähigkeiten gemeinsam einsetzen?
Dazu kommt auch, dass die Lehrlinge der VOEST bei „Work out?!“ im Gegensatz zu ihrer alltäglichen Arbeit mit gleichaltrigen jungen Frauen zusammenarbeiten, die genauso wie sie Totems schnitzen oder mit der Flex schneiden. Für alle ist das Projekt außerdem ein Kontrapunkt zum Arbeitsalltag. Gearbeitet wird zwar auch hier, aber die Projekte haben die Jugendlichen selbst entwickelt und ziehen sie gemeinsam durch. Entsprechend groß ist die Motivation: „Sie übertrifft alle Erwartungen“, freut sich Tüchlberger über den Erfolg.
factory beherbergt weiters eine Fotowerkstätte, die das Gesamtprojekt dokumentiert hat. Aus den Fotos stellen die Jugendlichen einen Kalender für das nächste Jahr zusammen, der Anfang November im Posthof präsentiert werden wird: Als Erinnerung für die Jugendlichen, was man mit Zusammenarbeit bewirken kann, als Dokumentation für die „ausgelernten“ Kollegen und für alle, die Interesse an diesem Projekt haben.