In dieser Woche wird in Deutschland erstmals ein Kirchentag stattfinden, zu dem mehrere christliche Kirchen einladen. Und schon im Vorfeld scheint die Rechnung aufzugehen: Berlin erwartet einen regelrechten Massenansturm. In einer Stadt, in der die Nachfolger Jesu zahlenmäßig in der Minderheit sind, kann jedoch deutlich werden: Es geht nicht um die Demonstration vermeintlicher Macht, sondern – wie es im Motto zum kirchenpolitisch brisanten Treffen heißt: Ihr sollt ein Segen sein. Das Treffen in der Hauptstadt signalisiert zwar nach außen, dass die Christen im Zentrum mitreden wollen. Aber diesmal richtet sich die Aufmerksamkeit vor allem nach innen. Dass so viele kommen werden, heißt auch: die Christen aller Konfessionen haben ein großes Interesse daran, miteinander das Gemeinsame zu feiern.
Walter Achleitner
Tod der Wahrheit
„Die Wahrheit stirbt im Krieg als Erstes.“ Wiederholt wurde während des Irak-Krieges dieser Satz von Winston Churchill in Nachrichtensendungen und Analysen zitiert. Gleichzeitig sandte man (fast) alles, was an Bildmaterial von „der Front“ zu bekommen war. In die vorrückenden Truppen eingebettete CNN- und BBC-Reporter auf der einen Seite und Al-Dschazira-Reportagen auf der anderen. Die Wahrheit blieb trotzdem auf der Strecke. Denn die Wahrheit ist nicht die Summe der Propaganda aus verschiedenen Lagern. Die Wahrheit versucht Hintergründe aufzuklären, das Eingehen auf andere Standpunkte zu fördern. So sieht es zumindest der Papst in seiner Botschaft zum Mediensonntag. Ihm geht es dabei freilich um den Frieden und nicht um die besten Quoten und Schlagzeilen.