Die chaldäisch-katholischen Christen von Mosul sind stolz auf ihren Stadtrat. Pater Louis Sako wurde sogar mit großer Mehrheit zum Assistenten des Bürgermeisters gewählt.
Fast euphorisch klingt seine Stimme, auch wenn der Lärm tief fliegender US-Hubschrauber das Gespräch schwer möglich macht. „Mosul ist heute, Gott sei Dank, die beste Stadt im Irak“, freut sich Louis Sako. Und der Pfarrer der chaldäisch-katholischen Pfarre „Unsere Liebe Frau von der ewigen Hilfe“ weiß auch, warum sich die Lage in der drittgrößten Stadt des Landes relativ gut entwickelt: „Es gibt ein gutes Verhältnis zwischen Christen und Moslems.“ Als Hinweis dafür nennt Sako den neuen Stadtrat, der am 5. Mai von 200 Vertretern aller Volksgruppen gewählt wurde. Die rund 30.000 Christen der Millionenstadt stellten 27 Delegierte. Und mit dem Ergebnis ist nicht nur der Pfarrer höchst zufrieden: drei des insgesamt 24-köpfigen Stadtrates sind Christen. Einer von ihnen, Yousif Hanna Lallo, ist sogar erstmals in der Geschichte einer der beiden Assistenten des Bürgermeisters. Ursprünglich war zwar Sako dazu gewählt worden, doch als Priester konnte er nicht annehmen. Louis Sako, der viele Jahre das Priesterseminar der Chaldäer in Bagdad geleitet hat, hofft, dass auf nationaler Ebene Christen auch so gut vertreten sein werden. „Bis es so weit ist, werden wir alle Möglichkeiten nutzen“, ist der promovierte Islamwissenschafter überzeugt. Neben der Politik widmet er sich jedoch der Lebensmittelversorgung der Christen. Dass ihm die „Initiative Christlicher Orient“ diese Woche 10.800 Euro zukommen ließ, ist für Louis Sako „in der angespannten Lage wie ein Lichtstrahl am Ende des Tunnels“.