Ausgabe: 2003/23, Gewalt, Globalisierung, Pensionsantritt, Regierung
03.06.2003
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Dialog ohne Gewalt
Evian ist ein hübscher Badeort am französischen Ufer des Genfer Sees. Dieser Tage geriet er durch den G-8-Gipfel in die Schlagzeilen. Wo sich die Kapitäne einer fragwürdigen Weltwirtschaft treffen, dort sind auch jene zu finden, die gegen Globalisierung und Neoliberalismus protestieren. Der „Gegengipfel“ hatte sein Zelt in Annemasse aufgeschlagen. Beide Treffen fanden auf historischem Boden statt. Vor 400 Jahren lud der Kirchenlehrer Franz von Sales nach Annemasse ein, um gegen die Ausgrenzung durch die Mächtigen zu demonstrieren. Als katholischer Bischof von Genf konnte er die Calvin-Stadt nicht betreten. Er setzte auf den Weg der Gewaltlosigkeit, nicht auf Gewalt. Mit einem 40-stündigen Gebet samt barockem Spektakel überzeugte er und gewann die Herzen vieler. Heute ist Genf ein Zentrum der Völkerverständigung. Wer weiß, wie alles gekommen wäre, hätte man damals auf Abschreckung, Aussperrung oder Krieg gesetzt. Die Chance auf Zukunft liegt nur im Dialog.
Martin Kranzl-Greinecker
Lösung gefragt
In den letzten Tagen hat das Verständnis der Menschen für die harte Linie der Gewerkschaften deutlich abgenommen. Die Verhandlungsbereitschaft der Regierung hat Wirkung gezeigt. Tatsache aber ist auch, dass eine harte Nuss nicht geknackt werden konnte: Einerseits ist einsichtig, dass in Österreich das Pensionsantrittsalter angehoben werden muss, andererseits weiß auch jeder, dass ältere Menschen auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance haben. Dieses Problem kann nicht einseitig auf dem Rücken der Arbeitnehmer gelöst werden. Deshalb sollten beide Seiten rasch zurück an den Verhandlungstisch.