Am Wochenende entscheidet Polen über den EU-Beitritt. Zu den Befürwortern zählen seit Monaten auch die katholischen Bischöfe. Teibende Kraft unter ihnen ist Henryk Muszynski.
Den Erweiterungsprozess der Europäischen Union sieht Henryk Muszynski als „die Chance, eine völlige Einheit zu bauen“. Und deshalb, so der polnische Europa-Bischof, „müssen wir die Chance ergreifen“. Der Erzbischof ist zwar überzeugt, dass man den Integrationsprozess realistisch betrachten muss. Aber dennoch bezeichnet er ihn als „Vision der Freiheit und Gemeinschaft in Europa“, die die Kirche immer unterstützt. Dabei orientiert er sich an den Worten Johannes Paul II.: Es werde kein Europa, wenn es nicht eine Gemeinschaft des Geistes wird! Um diese zu stärken, initiierte der Erzbischof von Gnesen – Polens historischer Hauptstadt – bereits zwei Treffen mit den Staats- und Regierungschefs jener Länder, in denen vor 1000 Jahren der erste Visionär des vereinten Europas gewirkt hat: der heilige Adalbert. Die Reliquien des Europapatrons werden in Gnesen verehrt. Muszynski sah darin die „Gelegenheit, unsere christliche Identität zu stärken und an die Rolle Polens beim Bau eines neuen und vereinten Europas zu erinnern“.
Doch dem Nachfolger auf dem Stuhl des hl. Adalbert – der traditionell auch Primas von Polen wäre – liegt nicht nur die Einigung Europas am Herzen. Der Bibelwissenschafter engagiert sich auch im Dialog mit dem Judentum. Auf seine Initiative hin wurde 1986 eine Dialogkomission in der polnischen Bischofskonferenz eingerichtet. Darüber hinaus hat Henryk Muszynski viel zum Versöhnungsprozess zwischen Polen und Deutschen beigetragen.