Eine Gruppe blinder Menschen trifft sich im Linzer Diözesanhaus alle 14 Tage zum Meditationstanz.
Mit den Fingern zeichnet Gerlinde Eichinger die Schrittfolge für den Sicheltanz in die Hand. Ihn bloß vorzuzeigen, würde nicht genügen. Die Männer und Frauen, mit denen sie tanzt, sind blind. Sie fassen einander an den Händen. Jeder Tänzer, jede Tänzerin spürt die Bewegung des Nachbarn – aber nicht nur. Erstaunlich ist, wie sich allmählich die Sichel formt. Ursprünglich traf sich die Gruppe monatlich zum Tanz. Die Sache hat Spaß gemacht. Jetzt trifft sich ein gutes Dutzend Leute 14-täglich. Beim kürzeren Zeitabstand fällt es leichter, sich komplizierte Schrittfolgen zu merken – und außerdem kommt man gerne zusammen. Monika Aufreiter ist Telefonistin. Ihr Arbeitsplatz liegt gleich hinter der Pforte des Diözesanhauses in Linz. Monika ist blind. Hören. Tippen. Auskunft geben, weiterverbinden. Das ist ihr Alltag. „Mir persönlich bedeutet der Meditationstanz sehr viel“, sagt sie. Bei ihrem sitzenden Beruf tut ihr die Bewegung gut. Nicht nur der Körper kommt in angenehme Schwingung, auch die Seele. Bei den Tänzen werden biblische Motive verwendet, auch Themen aus der Natur und vieles mehr. Der Dienstag-Abend – alle 14 Tage – ist für Monika längst eine Kraftquelle geworden. Ein belastender Alltag löst sich auf in Bewegung, in gemeinschaftlichem Beisammensein. Der religiöse Hintergrund ist Monika zusätzlich wichtig. Ein Schritt nach vorne ist wie Atemschöpfen, wie das Ausholen nach einer Kraft. Der Tanz braucht immer auch den Schritt zurück. Das Loslassen, das Zurücktreten. Tanz ist wie Leben. Vor und zurück. Auf und ab. Wie Leben aber, das in dieser Bewegung Gestalt annimmt. Die Tanzlehrerin erklärt die Motive des nächsten Tanzes. Für Blinde ist große Konzentration gefragt, damit sie das Gehörte in Bewegung umsetzen können. Bis 8. Juli werden die Treffen im Diözesanhaus fortgeführt, dann ist Sommerpause. Interessierte sind in der Blinden-Tanzgruppe willkommen.