Ausgabe: 2003/24, Durchrechnungszeitraum, Sozialpartner, Politiker
10.06.2003
- Matthäus Fellinger
Irgendetwas ist damit – mit dem Durchrechnungszeitraum. Kein österreichisches Ohr blieb in den letzten Wochen verschont von diesem Begriff.
Man sollte das Thema nicht Mathematikern, Politikern oder Sozialpartnern allein überlassen. Auch in religiöser Hinsicht lässt sich über den Durchrechnungszeitraum nachdenken. Dieser ist unbegrenzt, umfasst das ganze Leben, nicht nur die Jahre, in denen ein Mensch das Glück hatte, Geld verdienen zu können. Doch es lässt sich schlecht rechnen mit dieser Art Durchrechnungszeitraum. Der in der letzten Stunde gekommen ist, erhält gleich viel wie einer, der das ganze Leben gezahlt hat. Doch andererseits: Es kann einer noch so viel geleistet haben – es nützte nichts, wenn nicht die Gnade dazukäme, die den Menschen rettet. Nicht aus eigenem Verdienst schafft sich der Mensch seinen Lebensanspruch.
Es könnte nicht schaden, wenn diese Anleihen aus der biblischen Betrachtungsweise von Durchrechnungszeiträumen auch beim Bewerten der konkreten politischen Pensionsdebatte bedacht würden. Denn: Für Milliarden Menschen auf der Welt gibt es – auf Generationen hinaus – kein Denken an materielle Sicherheit. Für das Alter nicht, und nicht für die Jahre davor. Es haben nicht alle das Glück, einträgliche Berufe, Gesundheit und Glück zu haben, damit sie es sich selbst richten können. Es gibt die Menschen der letzten Stunde. Sie sind angewiesen. Mehr an solches Angewiesen-sein zu denken als ans Selbstverdienen, täte gut.