Familie und Schule haben es ihr nicht zugetraut. Doch Christa N. fand sich nicht damit ab, immer nur als die Frau aus der Leistungsgruppe 3 behandelt zu werden.
Leistungsgruppe 3! Die Laufbahn der Christa N. war vorgezeichnet. Was sollte sie – beruflich gesehen – schon Großartiges erreichen können? Wäschenäherin hat sie gelernt. Konzentriertes Arbeiten ist da gefragt. Verdienen lässt sich nicht viel. Christa war Legasthenikerin. Als sie in die Schule ging, nahm niemand sonderlich Rücksicht auf ihre Rechtschreibschwäche. Besondere Begabungen, die gerade Legastheniker oft haben, zählten da nicht. Christa blieb hängen in der Leistungsgruppe 3.„Mein Selbstwertgefühl war zerstört“, erzählt Christa. Als „dumm“ war sie abgestempelt. Die Dienstverhältnisse wechselten rasch. Immer nur Niedrigstlohn-Arbeiten bekam sie. Auch in der Familie hat es Christa so erlebt. Als einzige „Negative“ unter den fünf Geschwistern ist sie sich vorgekommen. So viel Schule als nötig, aber dann soll sie arbeiten. So erwartete es die Mutter. Im Jahr 2000 erlebte Christa ihren Tiefpunkt. Arbeitslos! Dann ein Telefonistinnenkurs, vermittelt vom Arbeitsamt. So sieht wenigstens die Arbeitslosen-Statistik besser aus. Tiefer kann es nicht mehr gehen, sagte sich Christa N. Doch Christa wollte nicht unten bleiben. Christa N. begann ganz von vorne: Mit dem Alphabetisierungskurs in der Offenen Bildungswerkstatt des Berufsförderungsinstitutes in Linz. 2001 begann sie. Heute sagt sie: „Mit Büchern habe ich mich wieder aufgebaut.“ Ich muss endlich wieder positiv über mich selbst denken, sagte sie sich. Mit jedem Buch, das sie las, tankte sie auch ein Stück Selbstbewusstsein.Heute spricht sie offen über ihre Probleme von damals, auch über ihr heutiges Leben. Sie fühlt sich stark. Aber würde das auch außerhalb wahrgenommen werden? Würde sie den endgültigen Sprung aus der Leistungsgruppe 3 schaffen? Drei Mal wöchentlich ging sie zum Kurs. Nach dem Alphabetisierungskurs machte sie auch den speziellen Deutschkurs und den den Computerkurs. Gelesen hat sie inzwischen auch Bücher über Legasthenie. Da hat sie vieles verstanden, worunter sie gelitten hat. Über 60 Bücher hat Christa inzwischen gelesen. Keine Groschenromane, sondern anspruchsvolle Sachbücher. Eine Welt hat sich für Christa N. aufgetan, die ihr bis dahin verschlossen war. „Das muss mir erst einer nachmachen“, sagt sie nicht ohne Stolz. Kursleiterin Sonja Hofstetter-Crazzolara imponiert der Weg ihres Schützlings. Sie hofft mit Christa, dass nun auch der nächste Schritt gelingt: Dass Christa nicht nur Selbstvertrauen getankt hat, sondern dass auch andere Zutrauen in sie setzen. In einem Büro möchte sie arbeiten – oder eine Arbeit, bei der sie mit Kindern zu tun hat.