Schon abgeerntet! Da ist nichts mehr zu holen. Das ist der erste Eindruck beim Betreten des Feldes. Nur grünes Blattwerk. Die Überraschung folgt. Man muss sich hinunterbücken, die Blätter beiseite schieben. Dann findet man sie: die leuchtenden Früchte. Kaum ein Jahr, in dem die Erdbeeren so schön gewachsen sind wie heuer.
Es gibt die Menschen mit dem schnellen, flüchtigen Blick. Ein kurzer Eindruck. Schon kapiert! Wer so lebt, macht vielleicht Eindruck, bleibt aber an der Oberfläche. Wer genauer sehen will, muss sich bücken, muss den Dingen nahe kommen. Unsere Zeit neigt zum Urteil nach dem raschen, oberflächlichen Blick. Ob es um politische Fragen geht, um menschliche Konflikte – wer macht sich die Mühe des genauen Hinsehens?
Vielleicht hängt ein verbreiteter Grund-pessimismus damit zusammen, dass man die Dinge nicht ausreifen lässt. Alles soll schnell erledigt sein. Vorbei! Das Nächste steht an. Gerade in diesen Wochen, in denen in der Natur die schönsten Früchte reifen, lässt sich spüren, wie wichtig es ist, die Dinge abzuwarten. Wachsen lassen. Reifen lassen. Und dann: Hinabbeugen. Den Blick frei machen. Ernten ist eine Tätigkeit, die Mühe kostet.