Um es gleich vorweg zu nehmen: Auf „100th Window“ sucht man vergeblich nach Hits wie „Unfinished Sympathy“, „Angel“ oder „Teardrop“. Ja, man wird nicht einmal einen einzigen richtigen Song auf dem neuen Album von Massive Attack finden. Alles nur Soundcollagen – kein Anfang, kein Refrain, kein Ende der Stücke. Das macht dieses Album nicht unbedingt leicht zugänglich. Trotzdem hat es dieses Werk verdient, sich ihm länger zu widmen: Die einzelnen Stücke kommen kühl, metallern oder bedrohlich wummernd durch die Boxen. Dass Sinéad O´Conner auf drei der neun Stücke als Gastsängerin vertreten ist, gibt dem Album eine noch filigranere, zerbrechlichere Note. Mit „100th Window“ will uns der letzte verbliebene Kopf von Massive Attack, Robert Del Naja, einen Blick auf die Welt liefern, wie er sie sieht. Auch wenn es da wenig Rosiges zu entdecken gibt, lohnt es sich in Del Najas Klangsphären einzutauchen. Danach darf man sich ruhig etwas fröhlichere Kost zu Gemüte führen – ABBA zum Beispiel.