Ausgabe: 2003/26, Leben, Quellen, Fellinger, Peter, Paul
24.06.2003
- Matthäus Fellinger
Brunnen prägen das Leben in der Wüste. Nur wer um die Brunnen weiß, kann leben. Die Sorge um die Reinheit der Brunnen ist eine Hauptsorge der Wüstenbewohner. Wer schlampig damit umgeht, gräbt sich das Lebenswasser ab. Wie die vom Wind getriebenen Sanddünen in einer Wüste, so verändert sich auch die Landschaft der Kirche. Die Sandstürme verschiedener Weltanschauungen und die völlig veränderten Lebenstechniken haben das Leben der Menschen gewaltig verändert. Wie sieht es mit den Quellen aus?
Seelsorge ist Sorge um gelingendes, erfülltes Leben.“ So stand es im Vorbereitungsdokument zum „Dialog für Österreich“ im Jahr 1998. Das Thema „Berufung und Leben als Priester“ wurde damals als eines der Hauptanliegen der Kirche Österreichs gesehen und formuliert. Um das Fest Peter und Paul werden in den österreichischen Diözesen die Neupriester geweiht.
Die Lebensquellen frei zu halten und für ihre Klarheit zu sorgen, ist eine der Hauptaufgaben der geistlichen Berufe. Das Quellwasser der Hoffnung und den Brunnen des Trostes zugänglich zu halten, ist ein hoher Anspruch in einer Welt der raschen Veränderungen. Nur Menschen, die sich gut in der Wüste auskennen, wird die Sorge um das Wasser anvertraut. Menschen, die gut mit dem Leben vertraut sind, wird auch die Sorge um die Quellen des Glaubens anvertraut. Dass es zu wenige Hüter der Quellen gibt, ist nicht in erster Linie ein Problem der Kirchenleitung, sondern gemeinsame Sorge der Menschen.