Rupert Neuhauser hat die Atmosphäre des Berges Athos aufs Bild gebannt
Ausgabe: 2003/28, Neuhauser, Athos, Bilder
08.07.2003
- Heinz Niederleitner
Er kennt Griechenland von über 60 Reisen. Besonders hat es ihm die Mönchsrepublik am Berg Athos angetan: Rupert Neuhauser, Fotograf aus Linz.
„Wir waren eine Einheit aus lauter Österreichern und haben uns mit den Griechen gut verstanden.“ Nicht alle Beziehungen beginnen mit sofortiger Sympathie, doch Rupert Neuhausers Beziehung zu Griechenland stand trotz der düsteren Umstände von Anfang an unter einem guten Stern. Von 1942 bis zum Kriegsende war Neuhauser als Soldat am Südpeloponnes. Bis heute zieht ihn Griechenland immer wieder an. Über 60- mal hat er Reisen unternommen. Mit einem Lehrbuch hat er sich selbst Griechisch beigebracht. „Man lernt aber bei jeder Reise wieder Neues dazu“, erzählt er.Für Neues offen sein, Interessantes sehen ist eine Eigenschaft für einen Fotografen. „Aristoteles sagt: ‚Der Beginn aller Wissenschaften ist das Erstaunen, dass die Dinge sind, wie sie sind‘ und ‚Neugier ist der Beginn von Wissen‘. Beides passt zum Athos.“Zwölfmal führten Neuhauser seine Reisen in die Mönchsrepublik im Norden von Griechenland, das letzte Mal im vergangenen September. „Von den 20 Klöstern dort habe ich nur noch drei bisher nicht gesehen.“ Dabei war er bereits zu einer Zeit auf dem Athos, als es gar nicht so leicht war, die Mönchsrepublik zu betreten.
„Du kommst immer wieder“
1956 war er in Griechenland, um für die VOEST eine Bewässerungsanlage zu fotografieren. Da nutzte der Fotograf die Gelegenheit und bekam über Vermittlung des Generalkonsuls einen Athos-Pass. Damals sagte ihm ein alter Mönch: „Wenn du einmal am Athos warst, kommst du immer wieder.“ Er hat Recht behalten.Denn der Linzer kam immer wieder, bis die Mönche den Mann mit der Kamera schon wiedererkannten. „Einmal habe ich einen Mönch auf einem Muli fotografiert. Nachdem ich das Foto gemacht hatte, sprang er plötzlich ab und begrüßte mich herzlich: Er kannte mich schon von anderen Besuchen. Ich hatte ihn zuerst nicht erkannt.“ Nicht alle Mönche ließen sich fotografieren. Von denen, die es zuließen, hat Neuhauser jedoch grandiose Proträts geschaffen. Zusammen mit den Naturfotografien vermitteln sie einen Eindruck vom Leben der Mönche in den Klöstern. Ein Leben, das Neuhauser über kurze Strecken teilen durfte. „Wenn man einen Athos-Pass hat, wird man in jedem Kloster als Gast aufgenommen.“ Dabei kann man mit den Mönchen mitleben. „Während des Essens wurde in einem Kloster von einem Mönch auf einer Kanzel vorgelesen. Als er zu Ende gelesen hatte, war für die Mönche das Essen beendet. Nur mein Mitreisender und ich kannten diese Regel nicht und waren natürlich noch nicht fertig. Da hat uns der Abt ein Zeichen gegeben, damit wir zu Ende essen konnten.“ Fest zum Leben der Mönche gehören die Gottesdienste. Nicht überall ist man als Fremder dabei gerne gesehen, aber: „Im serbisch-orthodoxen Kloster waren sie sehr freundlich. Wir sind zu spät gekommen. Da hat der Priester die Zeremonie unterbrochen, um uns zu deuten, wo wir uns hinsetzen konnten.“ Rupert Neuhauser hat zweifellos einen anderen Eindruck vom Berg Athos als ein flüchtiger Besucher. „Die Halbinsel der Mönchsrepublik ist 50 Kilometer lang und 10 Kilometer breit. Die Spiritualität des Athos ist aber das, was dazwischen liegt. Das muss man spüren: die Ruhe, die Stille.“ Genau das vermitteln auch seine Fotografien.
Athos-Fotografien von Rupert Neuhauser sind bis 17. August im Landeskulturzentrum Ursulinenhof in Linz zu sehen.