Keine Pfarrgemeinderatssitzung, kein Bildungswerkvortrag, kein Pfarrblatt, das jetzt zu schreiben wäre. Nur die Pfarrbibliothek hat offen. Die Gottesdienste werden gefeiert, aber ansonsten ruht die „Pfarrarbeit“. Gegen Ende der Ferienzeit werden sich die Gremien wieder treffen, ein neues Arbeitsjahr beginnt.
Eigentlich schon interessant, dass praktizierter Glaube und kirchliches Leben so sehr unter dem Gesichtspunkt der Arbeit gesehen werden. Eine lebendige Pfarre wäre demnach eine, in der die Gläubigen besonders aktiv und arbeitsfreudig sind. Vielleicht gilt aber auch beim Christsein Ähnliches, wie es in Erich Fromms Buch „Vom Haben zum Sein“ (1994) zum Ausdruck kommt. Nicht, was Christen leisten, wäre dann die entscheidende Kategorie, sondern wer sie sind und was sie darstellen – als Persönlichkeiten, als Menschen.
Obwohl das kirchliche „Arbeitsleben“ so ziemlich ruht, werden Christen im Sommer keine schlechteren Christen sein. Vieles kann Pause haben, nicht aber die Aufmerksamkeit der Menschen füreinander. Der Großteil des Christseins spielt sich außerhalb der kirchlichen Organisationsarbeit ab. Jemand pflegt einen kranken Angehörigen. Ein anderer sucht einen einsamen Menschen auf. Wie jemand die ganz gewöhnlichen Arbeiten des Lebens verrichtet, das hat mit dem Glauben zu tun. Nicht nur der Blick für schöne Landschaften lässt sich im Sommer besser genießen. Vor allem der Blick für Menschen wird frei.