Bischof Reinhard Marx (Trier) hat den Theologen Gotthold Hasenhüttl vom Priesteramt suspendiert, weil er am Rande des Ökumenischen Kirchentages evangelische Christen zur Teilnahme an der Kommunion eingeladen hat und sich nun weigert, sich davon zu distanzieren. Er müsse eingreifen, wo „offensichtlich und demonstrativ“ die Ordnung der Kirche verletzt werde, sagte Marx. Nicht nur in Deutschland ist die „gegenseitige Gastfreundschaft“ evangelischer und katholischer Gemeinden bei der Kommunion keine Seltenheit – und wird stillschweigend toleriert. Selbst Bischöfe wünschen sich – etwa bei gemischtkonfessionellen Paaren – eine flexiblere Haltung der katholischen Kirche. Hasenhüttl hat zweifellos gegen den Willen der deutschen Bischöfe und des jüngsten Papstschreibens zur Eucharistie gehandelt und öffentlich provoziert. Ob er damit der Ökumene genützt hat, ist zu bezweifeln. Hat er aber deshalb diese harte Strafe verdient – nur weil er es offen getan hat?
Heinz Niederleitner
Das leere Grab
Wie weit reichend die Vorbereitungen zur Seligsprechung von Mutter Teresa laufen, belegt folgende Meldung der letzten Tage: Rechtzeitig zum 19. Oktober werden die sterblichen Überreste der weltweit am meisten geschätzten Frau nach Rom transportiert. Drei Tage sollen sie in der Lateranbasilika öffentlich zugänglich sein. Mutter Teresa ist zwar Sinnbild einer Bescheidenheit, die alles der Armenfürsorge widmet. Aber nun muss ihr Gebein so eine Reise erdulden! Dabei ist es eine Missachtung der Ärmsten der Armen – nicht nur in Kalkutta. Sie werden zum Fest „ihrer“ Fürsprecherin ein entleertes Grab vorfinden.