E s passiert derzeit Erstaunliches. Rund um den bevorstehenden Verkauf der ÖIAG-Aktien an der VOEST ist eine Empörung entstanden, die nichts Vergleichbares bei den Dutzenden ähnlichen, aber kleineren Fällen aufzuweisen hat.
W as die VOEST derzeit in die Schlagzeilen bringt, hätte her und her schon die gängige Wirtschaftsphilosophie in die Schlagzeilen bringen müssen. An der Abgabe öffentlicher Anteile an der VOEST wird punktuell und selektiv kritisiert, was Säulen des kapitalistischen Wirtschaftssystems sind: Optimaler Geldeinsatz, gewinnträchtige Nutzung des Kapitals. Wenige kapitalstarke „player“ bestimmen den Gang der großen Wirtschaft. Bessere Kapitalergebnisse erzielen zu können und es nicht zu tun, ist in der Logik des Kapitalismus unverantwortlich den Kapitalgebern gegenüber. Soziale, regionalpolitische oder nationale Interessen sind keine betriebswirtschaftliche Aufgabe eines Unternehmens. So war es akzeptiert. Die soziale Bindung des Kapitals ist eine kaum gehörte Leitvorstellung der christlichen Soziallehre.
W er die Vorgänge um die VOEST jetzt kritisiert, müsste sich auch viel mehr für eine allgemeine Demokratisierung der Wirtschaft einsetzen. Wer Nein zu weiterer Privatisierung der VOEST sagt, müsste Ja zu mehr „sozial“ in der Marktwirtschaft sagen. Der Zeitgeist steht dem entgegen. Immer mehr „sozial“ wird aus der neoliberalen Ordnung unserer Marktwirtschaft vertrieben.