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Wo Kranke das Tempo angeben

Ehrenkanonikus Johann Schicklberger pilgerte bereits 40 Mal nach Lourdes
Ausgabe: 2009/43, Kranke, Johann Schicklberger, Lourdes, 40 Mal nach Lourdes, Gmunden, Pfarrer, Pilger, Marianisches Lourdeskomitee
21.10.2009
- Josef Wallner


Das erste Mal begleitete Johann Schicklberger, damals aktiver und nun emeritierter Pfarrer von Gmunden, 1968 einen Pilgerzug nach Lourdes. Die Faszination des französischen Wallfahrtsortes hat ihn seither nicht mehr losgelassen.

An die 600 Pilger machten sich in einem Sonderzug auf den Weg nach Lourdes. Zwei Waggons waren kranken Wallfahrer/innen vorbehalten, die teilweise sogar liegend transportiert werden konnten. Pfarrer Johann Schicklberger war bei seiner ersten Wallfahrt mit der Betreuung der rund 70 Pilger/innen in den Kranken-Waggons beauftragt. Was er dabei erlebt und seitdem immer wieder in ähnlicher Weise erfahren hat, hat ihn geprägt und gehört für ihn zum Geheimnis von Lourdes. „Wie die kranken Menschen dort tiefen Trost und Kraft finden.“

Gebet ist Leben. Das Marianische Lourdeskomitee, dessen Kuratorium Schicklberger inzwischen angehört und das die Reisen organisiert, die er als Priester begleitet, hat eine bewährte Form, wie es die Pilger zu den heiligen Stätten in Lourdes führt. „Es spielt die Stille eine ganz große Rolle“, betont Schicklberger. Das hilft Gesunden und Kranken in gleicher Weise. Rund hundert Meter vor der Erscheinungsgrotte wird das Reden eingestellt und schweigend legt man das letzte Wegstück zur Grotte zurück. „Wenn man die Menschen dabei beobachtet, spürt und sieht man: Gebet ist Leben und gibt Leben.“

Im Tempo der Kranken. Zeuge einer Wunder-Heilung wurde Pfarrer Schicklberger in den vier Jahrzehnten, in denen er nach Lourdes fährt, nie. Aber darum geht es ihm nicht und auch Lourdes nicht, unterstreicht er. Für entscheidend hält er vielmehr, dass in Lourdes die kranken und leidenden Menschen im Mittelpunkt stehen: Da geben einmal nicht die Aktiven und Starken den Ton und das Tempo an. Da geht es nicht um Leistung, auch nicht um Leistungen im Gebet. Man darf einfach da sein, so wie man ist. „Das tut doch jedem Menschen gut – auch den Gesunden.“ Und unabhängig von jeder Kirchenzugehörigkeit. Bei Pfarrer Schicklbergers jüngster Reise im Mai 2009 war eine evangelische Christin dabei. Die Atmosphäre des Gebets und das schöne Miteinander haben sie beeindruckt, erzählte sie begeistert. Besser kann es Pfarrer Schicklberger auch nicht auf den Punkt bringen, was eine Lourdeswallfahrt prägen soll: Gebet und Gemeinschaft. Beim Miteinander wird er noch deutlicher: „Es muss auch eine Gaudi geben. Zu einer Pilgerfahrt gehört das Lachen dazu.“

Mit Freude nach Hause. Die Arbeit in seiner Pfarre – mit dem Krankenhaus – haben die Lourdesfahrten selbstverständlich beeinflusst. Die Seelsorge an den Kranken gewann für Pfarrer Schicklberger zunehmend mehr an Bedeutung und so ist es geblieben. Todmüde, aber erfüllt kam er von seiner ersten Lourdesfahrt 1968 nach Hause. Das hat sich nicht geändert: Geistlicher Leiter einer Gruppe zu sein ist ein „Tschach“, wie er die Anstrengung nennt, aber minimal gegenüber der Freude, die man dabei erlebt. Darum ist der 79-Jährige gar nicht abgeneigt, im Mai 2010 ein 41. Mal nach Lourdes zu pilgern.
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