Selbst eine halbe Woche nach dem Erdbeben und dem Tsu-nami in Japan zeichnet sich erst nach und ab, wieviele Menschenleben die Katastrophe gefordert hat. Von einer Opferbilanz ist man noch meilenweit entfernt. Und da ist noch immer der Kampf in den Atomkraftwerken und die Ungewissheit, ob man den Super-GAU verhindern kann. Man wagt gar nicht daran zu denken – an die Angst der Men-schen vor Ort. Noch ist alles in Fluss und schon wird in Europa und auch in Österreich politisches Kleingeld aus der Katastrophe gemacht. Natürlich muss man nach den Vor-kommnissen in Japan über Atomkraftwerke in Europa nachdenken. Doch die aufgeheizte Diskussion, die jetzt um die grenznahen AKWs tobt, ist abstoßend – vor allem im Blick auf die Opfer, deren Zahl täglich zunimmt. Hier werden Leidende als Diskussions-Be-schleuniger benutzt. Seit Jahren hatte man den Eindruck, dass die politisch Verantwortlichen der Auseinandersetzung – wo es nur ging – ausgewichen sind. Bei allem Verständnis, dass die Anti-AKW-Bewegung nun Japan als geeigneten Anstoß für die längst überfällige Debatte nimmt, sie muss sie dennoch – gerade zum jetzigen Zeitpunkt – mit jenem Respekt führen, der die Opfer nicht ins-trumentalisiert.