Rescue workers hold a girl they rescued from a building after a tsunami and earthquake in Kesennuma City, Miyagi Prefecture, in northeastern Japan March 12, 2011. Japan confronted devastation along its northeastern coast on Saturday, with fires ragin
Das Erdbeben mit dem anschließenden Tsunami hat in Japan weite Teile verwüstet und viele Opfer gefordert. Über Ursachen und Folgen aus ethischer Sicht sprach die KirchenZeitung mit dem Umweltsprecher der Diözese Linz und Moraltheologen, Univ.-Prof. Michael Rosenberger.
Der christliche Glaube hat kein naives Bild von Schöpfung. Ihre Schönheit, ihre Faszination ist die eine Seite. Aber es gibt auch die andere Seite der Schöpfung: Dass sie zerstörerisch wirkt. Und das begreifen wir schlichtweg nicht.
Der menschliche Größenwahn kann wohl nicht Auslöser dieses Bebens gewesen sein? Univ.-Prof.Michael Rosenberger: Nein. Die Verantwortung kann man da den Menschen nicht geben. Was natürlich schon zu sehen ist, dass die Folgen einer solchen Katastrophe mit menschlichem Verhalten zu tun haben. Da muss man Japan sehr positiv sehen. Die Japaner haben extrem viel in die Prävention in den Erdbebenschutz gesteckt.
Wie kann ein gütiger und allmächtiger Gott das Übel in der Welt zulassen? Diese Frage ist so alt, wie Menschen von Katastrophen heimgesucht werden. Rosenberger: Die Bibel warnt sehr ausdrücklich, da eine Antwort zu suchen. Unser Klassiker in der Bibel ist das Buch Hiob. Die drei Freunde Hiobs wollen Argumente finden, warum Hiob leiden muss. Er sagt aber, was ihr redet, wird der Sache nicht gerecht. Angesichts der Größe Gottes und angesichts der Größe des menschlichen Leides müssen wir zugestehen, dass wir darauf keine Antwort haben. Man kann den christlichen und den jüdischen Glauben als einen Glauben begreifen, der trotz einer nicht perfekten Natur, einer Natur, die zerstörerische Gewalt aufweist, an einen Schöpfergott glaubt. Entscheidend ist, das Leid, das durch natürliche Prozesse ausgelöst wird, nicht zu verharmlosen. Der christliche Glaube hat kein naives Bild des Schöpfergottes. Die Schönheit, die Faszination der Natur, ist die eine Seite, aber es gibt auch die andere Seite der Schöpfung und es gehört dazu, dass sie zerstörerisch wirkt – und das begreifen wir schlichtweg nicht.
Kardinal Schönborn meinte in der Predigt am ersten Fastensonntag mit Bezug auf die Ereignisse in Japan: „Das Wunder des Lebens enthalte auch die Keime des Todes.“ – Ist die Schöpfung todessüchtig? Rosenberger: Ich würde nicht von todessüchtig sprechen, aber von todesbedürftig würde ich schon reden. Denn letztlich ist die Schöpfung ein Werden und Vergehen. Es kann kein Leben wachsen und sich ernähren, ohne dass gleichzeitig ein anderes Leben stirbt. Es gibt das Grundgesetz, dass Geboren-werden und Sterben in dieser Schöpfung zusammen gehören. Warum das so ist, das verstehen wir nicht. Wir können nur darauf vertrauen, dass es bei Gott insgesamt etwas Gutes ist.
Wie können die Kirche, die Politik und die Bürger/innen Verantwortung wahrnehmen? Rosenberger: Was uns die Katastrophe in Japan klar macht: Wir müssen unseren Energiehunger zügeln. Für die Politik denke ich, in jenen Ländern, die Atomkraftwerke haben, muss es darum gehen, die Sicherheitsvorschriften noch einmal zu überprüfen und zu verschärfen. Zugleich aber auch, den Ausstieg nicht auf die lange Bank zu schieben. Das braucht einen Stufenplan. Die alten Kraftwerke, die am gefährlichsten sind, möglichst schnell abzuschalten. Die Kirche muss, will sie glaubwürdig sein, das Energie-Sparen vorleben. Und sie muss Symbole setzen, zeichenhaft für eine Lebensstiländerung eintreten. Der Tschernobylgedenktag (26. April) fällt heuer auf den Osterdienstag. Da kann die Kirche zeichenhaft Gottesdienste ansetzen.
Welchen Lebensstil mahnt die Katastrophe in Japan ein? Rosenberger: Es geht vor allem um einen Lebensstil der Maßhaltung und der Bescheidenheit. Maßhaltung meint: Ich bringe meine Bedürfnisse mit denen der anderen und der Schöpfung in Einklang.