Als ich ein Kind war, legte mir meine Mutter, wenn ich das Haus verließ, immer die gleichen zwei Dinge ans Herz: „Machst eh ein Kreuzzeichen!“, mahnte sie – mein Weg führte an einem großen Wegkreuz vorbei – und „grüß’ ordentlich!“
Wie viele Zeitgenossen grüßen noch? Wie oft kommen zum Beispiel am Morgen Menschen auf dem Weg zu ihrem Arbeitsplatz beim Portier ihres Bürogebäudes vorbei und lassen sich in ihrem Bei-sich-Sein nicht unterbrechen. Sie gehen vorbei, als würden sie eine Statue passieren. Das tun sie jahraus, jahrein.
Die Menschen zu grüßen, ist nicht nur eine höfliche Geste und eine Frage der Manieren, wie sie im Knigge abgehandelt werden. Es ist auch eine Einstellungssache. Wer grüßt, sieht sich nicht im Mittelpunkt des Geschehens. Grüßen ist Ausdruck der Achtung und des Respekts vor dem anderen sowie ein kleiner Beitrag, dass Gemeinschaft werden kann.
Es kann schon sein, dass man in Gedanken versunken oder in ein Gespräch vertieft ist, und daher nicht aufmerksam gegen die Menschen in seiner Nähe ist. Tatsache ist aber wohl auch, dass kaum mehr eine Mutter daheim sagt: „Grüß’ ordentlich!“