Jahrelang hing sie auf meiner Pinnwand – eine Spruchkarte folgenden Inhalts: „Lieber Gott, schenke mir Geduld, aber bitte sofort!“ Nicht dass ich Forderungen zu stellen hätte, die Karte drückt vielmehr aus, woran Menschen wie ich knabbern: Geduld haben – mit anderen, aber vor allem mit sich selber. Geduld ist in meinem Zustand besonders gefragt. Mit wachsendem Bauchumfang aufgrund fortschreitender Schwangerschaft verringert sich die Geschwindigkeit meiner Handlungen und die Anzahl meiner Aktivitäten. Vom Anziehen bis zum Außerhaus-Gehen dauert alles zwei- bis dreimal so lang. Schnell geht auf jeden Fall gar nichts mehr. „Slow-Motion“ ist ganz im Trend liegend angesagt. Die Entdeckung der Langsamkeit ist, so betrachtet, eine gute Vorübung im Umgang mit Kleinkindern und hat jetzt schon ihre schönen Seiten. Neu im reduzierten Alltagsprogramm ist, was ich selbst als Kind schon mit Hingabe gemacht habe: die Welt um mich zu beobachten, Menschen zuzuschauen, wie sie gehen, reden, lachen, mir Geschichten zu Personen auszudenken oder mich in Details wie aufblühenden Wiesenblumen oder zwitschernden Amseln zu verlieren. Einfach nur schauen! Wer jetzt mit mir spazieren geht, der braucht sicher eines: Geduld!