Am 7. April jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des Dieners Gottes Franz Joseph Rudigier, Bischof von Linz. Nach den Betrachtungen der letzten Wochen über Leben und Spiritualität Bischof Rudigiers sowie seine sozialen und karitativen Akzente, soll hier der „Dombaumeister“ Rudigier beleuchtet werden.
Die Geschichte des „neuen“ Domes in Linz hat einen historisch vielleicht spektakulären, in seiner ganzen Dimension letztlich aber einen zutiefst vom Glauben geprägten Hintergrund: Bischof Rudigier war intensiv bemüht um eine wahre Identität der noch jungen Diözese. Mit seinen zahlreichen sozialen und pastoralen Maßnahmen verfolgte er dieses Ziel vom Amtsantritt an unerschütterlich. Als Papst Pius IX. am 8. Dezember 1854 das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis Mariens verkündet, wächst in Bischof Rudigier, dem tiefgläubigen Bauernbuben aus Vorarlberg, der Wunsch, Linz mit einer Kathedralkirche zum einen ein Symbol für die eigene Identität als junge Diözese zu geben, zum anderen die Gottesmutter unübersehbar zu ehren: Bischof Rudigier hatte die Idee zum „Mariendom“.
Grundsteinlegung 1862. Bereits im März 1855 – Rudigier als früherer Hofkaplan ist in Wien, um Sophie, die Tochter des Kaisers, zu taufen – nutzt Rudigier die Begegnung mit dem Kaiser geschickt, um sich die Erlaubnis für einen Dombau in Linz einzuholen. In seinem Hirtenbrief im April desselben Jahres schreibt Rudigier über das Mariendogma und verkündet gleichzeitig seinen Plan vom Dombau.Am 1. Mai 1862 fand die Grundsteinlegung des Mariendomes statt – ein Bauwerk, von dem Bischof Rudigier nur zu genau wusste, dass er es nie fertig sehen würde. Aber ihm ging es nur um den Kirchenbau, symbolisch für all die Aufbauarbeit in der Pastoral, für die Einheit seiner Diözese, er dachte nicht im Entferntesten daran, sich selbst ein Denkmal zu setzen.
Er holte Bruckner. In der Weltkirche überschlagen sich die Ereignisse: 1858 erscheint die Gottesmutter in Lourdes, 1862 reist Bischof Rudigier kurz nach der Grundsteinlegung für den neuen Dom das erste Mal als Bischof nach Rom (er sollte später noch weitere drei Romreisen unternehmen, unter anderem, um 1870 am I. Vatikanischen Konzil teilzunehmen). Und Bischof Rudigier beweist mit Personalentscheidungen nicht nur Feinsinn, sondern schreibt Geschichte: 1855 wird ein gewisser Anton Bruckner Linzer Domorganist, dessen e-Moll-Messe bei der Einweihung der Votivkapelle des neuen Domes zur Uraufführung gelangte: Neben all den Bereichen, um die sich Rudigier bemühte, hatte Linz mit Bruckner nun auch „seinen Mozart“!
An einem Strang.<7b> Am 29. November 1884 verstarb Bischof Rudigier und wurde am darauffolgenden 3. Dezember in der Krypta des von ihm ersonnenen Domes beigesetzt. Der Diener Gottes Franz Joseph Rudigier kann uns wahrhaft Beispiel sein in unserem ständigen Bemühen für das Reich Gottes gemeinsam an einem Strang zu ziehen, er war tatsächlich ein Arbeiter im Weinberg des Herren, der die Ärmel aufkrempelte und für die ihm Anvertrauten alles unternahm. Wir wollen Bischof Rudigier zu seinem 200. Geburtstag in den kommenden Tagen entsprechend danken, er hat viele Grundsteine gelegt, auf denen wir heute bauen!
Rudigier-Gedenkfeiern
Zum 200. Geburtstag von Bischof Franz Joseph Rudigier gibt es eine Reihe von Gedenk- und Festveranstaltungen in Linz:
- Gedenkgottesdienst, Do., 7. April, 18.15 Uhr, im Linzer Mariendom mit Bischof Dr. Ludwig Schwarz.
- Rudigier-Symposium am Fr., 8. April, 14 – 19.30 Uhr, im Priesterseminar Linz. Mit Prof. Dr. Maximilian Liebmann, Prof. Dr. Klaus Schatz SJ, Prof. Dr. Günther Wassilowsky, Domführung u.a. Anmeldung: 0732/78 42 93-41 55.E-Mail: rektorat@ktu-linz.ac.at
- Pontifikalamt, am So., 10. April, 10 Uhr, im Mariendom, zu Ehren Bischof Franz Joseph Rudigiers. Das Vokalensemble der Dommusik singt die „Missa Sanctae Crucis“ von Johann Michael Haydn.