Während sich am letzten Sonntag in Linz die Marathonläufer/innen durch die Stadt quälten, herrschte im Mariendom Feststimmung. Zahlreiche Gläubige feierten mit Bischof Ludwig Schwarz das Hochamt zum 200. Geburtstag von Bischof Franz Joseph Rudigier.
Mit der „Missa Sanctae Crucis“ von Johann Michael Haydn gestaltete das Vocalensemble der Dommusik den Festgottesdienst besonders feierlich. Eine Abordnung aus dem Montafon – Rudigiers Heimat – nahm daran teil.
Eine spannende Persönlichkeit – in einer spannenden Zeit der Kirchengeschichte. Das Leben von Bischof Franz Joseph Rudigier stand am letzten Wochenende im Mittelpunkt des Diözesangeschehens. Bischof Rudigier ragte aus den Bischöfen seiner Zeit vor allem durch die Art heraus, wie er sein Bischofsamt verstand: Als Seelsorger-Bischof und nicht als Fürstbischof, wie es bis dahin üblich war. Ihm ist wie kaum einem seiner Zeit an der Verkündigung selbst gelegen.
Ein Reibebaum. Für die Politiker seiner Zeit war Rudigier ein Reibebaum. Der Grazer Kirchenhistoriker Dr. Maximilian Liebmann bezeichnete ihn beim Rudigier-Symposium am Freitag, 9. April im Linzer Priesterseminar als den „Vater des politischen Katholizismus“, der in der politischen Auseinandersetzung die Vorrechte der Kirche in der Schulbildung und im Eherecht verteidigte, der sich jedoch schwer mit aufkommenden Freiheits-Entwicklungen tat. Selbst der Kaiser hatte in dieser Hinsicht seine Mühe mit dem Linzer Bischof, den er in einem Nachruf als einen guten, aber nicht „kummoten“ Bischof bezeichnet hatte. Deutlich wurde, so in einem Vortrag des Linzer Kirchenhistorikers Dr. Günther Wassilowsky, das Vertrauen Rudigiers in die Menschen seiner Diözese. Der mit Spenden der Bevölkerung errichtete Dom ist Zeichen dafür. Den Dom verstand Rudigier vor allem als ein Denkmal zu Ehren Marias. In Rudigiers Amtszeit fiel das Erste Vatikanische Konzil mit der damals verkündeten Unfehlbarkeit des Papstes. Die deutschsprachigen Bischöfe Österreichs hatten durchaus keine einheitliche Position, was die Unfehlbarkeit betraf. Rudigier hatte letztlich mit Ja gestimmt. Die Regierung in Österreich hätte in Folge des Konzils das Konkordat mit der Kirche gekündigt, weil der „Vertragspartner ein anderer geworden wäre“, wie Konzilsexperte Dr. Klaus Schatz SJ ausführte.
Rudigier-Broschüre und Ausstellung. Dr. Stefan Schlager präsentierte im Symposium die Broschüre über Leben und Werk Bischof Rudigiers. Das Heft stellt nach den Veröffentlichungen über den hl. Florian, Franz Jägerstätter und Papa Gruber die vierte Ausgabe einer Reihe von Beschreibungen herausragender Persönlichkeiten der Kirche von Linz dar. Die Broschüre kann im Behelfsdienst der Diö-zese Linz und im Dom erstanden werden. Nach dem Festgottesdienst im Dom eröffnete Bischof Schwarz die Ausstellung über Leben und Wirken Bischof Rudigiers. Im linken Seitenschiff, neben dem Hochgrab, sind die Ausstellungstafeln bis zur „Langen Nacht der Kirchen“ am 27. Mai zu sehen.