Im Kinderbuch „Drachen lassen’s richtig krachen“ sollen mittelalterliche Brieftauben die Daheimgebliebenen über Ottkar von Zipps abenteuerliches Unternehmen auf dem Laufenden halten. Die nach und nach mit der Botschaft „mir geht es gut“ freigelassenen Tauben kommen aber nicht an.
Die Briefträger lösten die Tauben ab und die ganze Welt hatte noch Geduld. Man wusste, der Postweg musste zurückgelegt werden und das Schreiben dauert auch eine Zeit. Erst wenn Wochen vergangen waren, ohne dass ein Retourbrief im Briefkasten lag, klagte zum Beispiel meine Mutter: „Der rührt sich überhaupt nicht mehr!“
Als Telefonhütten aufgestellt wurden, sank bereits die Geduld, auch wenn viele Haushalte noch kein Telefon hatten: „Du kannst ja bei der Nachbarin anrufen“, hieß es.
Mit den Handys ist das Zeitalter der Ungeduld angebrochen. Wer nicht mail- oder sms-wendend antwortet, stellt die Zeitgenossen auf höchste Geduldsproben. „Gibt es dich überhaupt noch?“, ärgerte sich ein Freund, der mehrmals vergeblich bei mir anrief. Ich hatte das auf lautlos geschaltete Handy verlegt. Unerreichbar zu sein, bedeutet in postmoderner Zeit, nicht mehr da(bei) zu sein, jedenfalls ein großes Handycap zu haben. ɨ