Das Drogentherapiezentrum Aleksandrovac wurde im Jahr 2000 von Ordensfrauen als damals erste Einrichtung in ganz Bosnien gegründet. Dass das Haus überhaupt eröffnen konnte, war ganz wesentlich dem Einsatz der Flüchtlingshilfe St. Georgen/Gusen zu verdanken.
Ist es schon in Österreich keine Kleinigkeit, ein Haus für drogenabhängige Jugendliche zu eröffnen, grenzt es in Bosnien an ein Wunder, was den Schwestern vom Orden der Anbeterinnen des Blutes Christi gelungen ist. Als „die Serben“ nach fünf Jahren Beschlagnahmung die Klosteranlage in Aleksandrovac bei Banja Luka den Schwestern zurückgegeben haben, war aus dem einst gepflegten Gebäude für alte Schwestern und Novizinnen eine Bruchbude geworden. Aber gerade weil der „Bosnienkrieg“ in diese Region besonders brutal geführt wurde und unendlich viel Leid gebracht hat, entschlossen sich die Schwestern, ein Zeichen der Versöhnung zu setzen. „Wir wollten ein Werk errichten, das eine Brücke baut: zwischen den Völkern und den Religionen, den Serben, Kroaten und Bosniaken, zwischen Orthodoxen, Katholiken und Muslimen“, erzählt Sr. Ancilla Vukoja, eine der Gründungsschwestern. Da es vor zehn Jahren in ganz Bosnien keine einzige stationäre Therapie für Drogenabhängige gab, haben diese Aufgabe die Schwestern angepackt. Neben dem deutschen Hilfswerk Renovabis sind sie zufällig mit der Flüchtlingshilfe St. Georgen in Kontakt gekommen, besonders mit Elisabeth und Wolfgang Dedl. Sie lieferten Möbel, Geschirr, Bettwäsche, besorgten ein Auto und bauten in der Zwischenzeit einen Solaranlage, um die Energiekosten zu senken. Bis heute bekommt das Zentrum kein Geld von öffentlichen Stellen, bis heute kommt Hilfe aus St. Georgen.
Der Mensch zählt. Seit Eröffnung des Hauses haben 500 Männer und Frauen in Aleksandrovac Aufnahme gefunden. 50 Personen wohnen aktuell im Zentrum, um an dem wissenschaftlich anerkannten Entziehungsprogramm „Projekt Mensch“ mitzumachen. „Unser Programm ist nicht religiös ausgerichtet, wie das in manchen anderen Zentren üblich ist, die in der Zwischenzeit in Bosnien entstanden sind“, betont Sr. Ancilla: „Denn das Problem sind nicht die Drogen, sondern der Mensch. Der Glaube ist aber vielen Menschen, die auf Entzug sind, eine Stütze und das fördern natürlich die Schwestern. So gibt es Orthodoxe und Muslime, die gerne den katholischen Gottesdienst besuchen. Die Muslime halten den Ramadan und ihre Eltern bringen für das Ramadanfest ganz selbstverständlich so viele Lämmer, dass alle mitfeiern können. An den beiden Weihnachtsfesten, dem katholischen und orthodoxen, ist es dasselbe, freut sich Sr. Ancilla über das Klima des religiösen Miteinanders im Zentrum.
Einladung
Benefizkonzert für Aleksandrovac
Ein Streichkonzert der anderen Art geht am Freitag, dem 10. Juni 2011, in St. Georgen an der Gusen über die Bühne. Mit einer furiosen Mischung aus Rock, Jazz und klassischen Klängen geigt das Spring String Quartet ab 19.30 Uhr im Pfarrheim auf.- Vorverkaufskarten (E 16,– und erm. E 13,–) bei allen Raiffeisenbanken und oetickt-Verkaufsstellen.