BRIEF_KASTEN
„Bitte Ruhe!“, steht auf dem Schild in der Saunakammer. Öffentliche Saunen sollen zur Regeneration der Besucher:innen dienen. Deshalb sollen die 15 bis 20 Minuten, welche der Saunagang benötigt, möglichst ruhig verlaufen.
Nun sind Saunen wie einst die römischen Thermen soziale Orte. Deshalb ist das mit der Ruhe so eine Sache. Oft haben sich Traditionen unter regelmäßigen Besucher:innen herausgebildet: In dieser Saunakammer ist es tatsächlich ruhig, in jener ist eine Unterhaltung möglich.
Wenn man es weiß, ist das letztere oft kein größeres Problem – unter einer Voraussetzung: dass das, was gesprochen wird, sich in bestimmten Grenzen hält. Wirklich Lustiges ist in Ordnung, aber sexistische Witze sind absolut tabu – übrigens nicht nur in der Sauna.
Ebenfalls untragbar sind politische Diskussionen, insbesondere dann, wenn Extrempositionen geäußert werden. Denn auch wenn es nicht allzu leise zugehen muss: In der Sauna soll sich jede:r wohlfühlen können.
Niemandem wird das aber gelingen, wenn er sich, getreu dem Satz „Wer schweigt, stimmt zu“, zum Widerspruch genötigt sieht.
Soviel Saunaetikette ist notwendig. Es sollen nämlich schon manche glatt in Versuchung geraten sein, dem geistlos-provokant daherschwadronierenden Wortführer durch einen scharfen Aufguss nahezulegen, endlich zu schweigen.
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