Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
Dieser Bischof hat die Menschen bewegt, er hat die Menschen gesehen, gekannt, angesprochen. Sein unglaubliches Personengedächtnis war immer wieder Thema. Er war ein Ermöglicher, ein Ermutiger, ein Brückenbauer und einer, dessen Freundlichkeit gut getan hat: An die 1.300 Menschen haben am 7. Februar 2026 beim Requiem im Linzer Mariendom von Altbischof Maximilian Aichern Abschied genommen, das Requiem leitete Bischof Manfred Scheuer, die Trauerfeier wurde auf ORF III übertragen, über 21.000 Seher:innen haben das genutzt.
Wie viel Wertschätzung und Zuneigung Bischof Maximilian Aichern entgegengebracht wurde und wie wesentlich er mit Offenheit, Herzlichkeit und Glaubensfreude die Kirche und die Menschen in Oberösterreich geprägt hat, war bei den Trauerfeierlichkeiten und in vielen Gesprächen besonders in den letzten Tagen spürbar. Nach dem Ableben von Bischof em. Maximilian Aichern am 31. Jänner 2026 im 94. Lebensjahr begann die Woche der Trauer und des dankbaren Gedenkens. Zahlreiche Menschen strömten am Freitag in den Mariendom, um in der Turmkapelle am offenen Sarg von Bischof Maximilian Aichern persönlich Abschied zu nehmen. Die Betroffenheit und Trauer war vielen anzumerken. Auch am Samstagvormittag vor dem Requiem erwiesen viele Menschen dem Verstorbenen die letzte Ehre.
„Danke“ – dieses Wort zog sich wie ein roter Faden durch die Gespräche und war auch in den Kondolenzbüchern das bestimmenende Moment. Dankbarkeit für einen besonderen Menschen, Christen, Ordensmann, Abt und Bischof. Danke – das war das Grundwort in Aicherns Leben, wie auch Bischof Manfred Scheuer in seiner Predigt betonte: „Bischof Maximilian ist für mich eine Personifizierung von Wertschätzung und Dankbarkeit.“ Nicht unerwähnt blieb, dass Aichern auch schwere Zeiten hatte: oft wurde er für den „Linzer Weg“, der die Türen besonders für Frauen und Laien öffnete, angefeindet und verleumdet. „Bischof Maximilian musste nach einem ‚Wir‘ suchen, leben und Entscheidungen treffen in Zusammenhängen, wo Einzelne und Gruppen sich ausschließlich von Autonomie her bestimmt hätten“, sagte Scheuer und: „Bischof Maximilian steht für eine Allianz von Solidarität, Würde und Gerechtigkeit“, hielt Scheuer in seiner Predigt fest.
Landeshauptmann Thomas Stelzer betonte in seinen Gedenkworten, Bischof Maximilian Aichern habe auch nach seiner Emeritierung sein Leben in den Dienst der Sorge um die Menschen in Oberösterreich gestellt. „Er war zeitlebens ein sympathisches und gewinnendes Gesicht für unsere Kirche – ein offenes und öffnendes, das unserem Land, aber ganz besonders auch unserer Kirche gut tat“, erklärte Stelzer. Aichern habe durch viele Jahrzehnte das kirchliche, aber auch das gesellschaftliche Leben in Oberösterreich entscheidend mitgestaltet und geprägt.
Brigitte Gruber-Aichberger, die geschäftsführende Vorsitzende des Pastoralrates, betonte: „Er hat viele Brücken gebaut hin zu Menschen aller Schichten, zu und zwischen zivilgesellschaftlichen Initiativen, zur Politik, Interessensvertretungen, Wirtschaft.“ Sie erinnerte daran, dass Bischof Aichern der Einsatz von Ehrenamtlichen und von theologisch qualifizierten Frauen und Männern als Pastoral- und Pfarrassistent:innen ein Anliegen war, was ihm Kritik eingebracht habe. Leitung sei zum Balanceakt geworden, Aichern habe auch in dieser Situation den Dialog gesucht.
Superintendent Gerold Lehner bedankte sich für eine Ökumene auf Augenhöhe in geschwisterlichem Geist. „Ich habe landauf, landab die Früchte jenes ökumenischen Frühlings gesehen, die in seiner Amtszeit gewachsen sind und die er bewusst gefördert hat“, sagte Lehner.
Für die berührende musikalische Gestaltung des Requiems sorgte Domkapellmeister Andreas Peterl mit dem Domchor und dem Orchester der Dommusik sowie den Solist:innen Carina Tybjerg Madsen (Sopran) und Reinhard Mayr (Bass). An der Chororgel waren der em. Domorganist Wolfgang Kreuzhuber und als Kantor der em. Domkapellmeister Josef Habringer zu hören. Domorganist Gerhard Raab geleitete mit einer Improvisation an der Rudigierorgel den Sarg ins Freie.

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
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