Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
„Wir sind der festen Überzeugung, dass das Wort Gottes auch in unserer Zeit etwas zu sagen hat“, erklärt Christa Meuwissen das Fundament der Gottesdienste mit einem sogenannten Kreativteil. Die Seelsorgerin hat diese vor zwölf Jahren auf Anregung des Pfarrgemeinderates von Bad Hall und im Besonderen von Pfarrer P. Johannes Czempirek OSB entwickelt. Von Anfang an mit dabei war Kindergartenpädagogin Martina Stadlmair, die ergänzt: „Es geht um eine zeitgemäße, moderne Form, die frohe Botschaft zu feiern.“
Anstoß für diese Wort-Gottes-Feiern gab damals nicht der Priestermangel, sondern die Absicht, auch kirchenferne Menschen anzusprechen. Ebenso hatte man von Anfang an die Kurgäste Bad Halls im Blick. „Dieses Bemühen um eine Vielfalt der Gottesdienstformen finde ich heute wichtiger denn je. Da hat P. Johannes wirklich mit großer Voraussicht agiert“, sagt Christa Meuwissen. „Darum unterscheiden sich unsere Wort-Gottes-Feiern nicht nur in der Sprache deutlich von Eucharistiefeiern. Es gibt keine Kommunionspendung, aber im Anschluss in der Kirche eine Agape.“
Am besten versteht man das Charakteristische einer Wort-Gottes-Feier mit Kreativteil, wenn man auf den Prozess der Vorbereitung schaut. „Wir sind ein Frauenteam von zwölf Personen im Alter von sechzehn bis siebzig Jahren. Wer Zeit hat, kommt zum Vorbereitungstreffen“, erzählen Christa Meuwissen und Martina Stadlmair. „Bereichernd ist, dass verschiedene Lebenswelten und Lebensalter zusammenkommen.“
Die Seelsorgerin Meuwissen hat das Evangelium des entsprechenden Sonntags in unterschiedlichen Bibelübersetzungen vorbereitet: von der Einheitsübersetzung über die Volxbibel bis zur gereimten Bibel von Thomas Brezina. Nach einem Lied wird das Evangelium besprochen. Besonders gehen die Frauen der Frage nach, wo sich die im Bibeltext angesprochenen Erfahrungen im eigenen Leben oder in der Gesellschaft wiederfinden. „Wir stellen uns dann die Frage, ob es einen Gedanken gibt, der sich durchzieht. Dann haben wir das Thema“, sagt Christa Meuwissen. „Das Schöne bei unseren Treffen ist für mich, dass wir auf Themen kommen, die ich allein nie gefunden hätte.“ Dann folgt die Detailplanung. So ist der Einstieg in die Wort-Gottes-Feier ein wichtiges Element. Zu einem Gottesdienst zu Pfingsten, der unter dem Thema „Begeisterung“ stand, haben wir die Stimmung aus einem Fußballstadion eingespielt, geben Meuwissen und Stadlmair eine Vorstellung von dem, was alles möglich ist. Dann folgen bekannte Elemente einer Wort-Gottes-Feier wie Lieder, Tagesgebet und Lesungen.
Was in einem traditionellen Gottesdienst Predigt heißt, wird hier „Gedanken zu den Lesungstexten“ genannt, die eine der beiden Wort-Gottes-Feier-Leiterinnen vorträgt. Christa Meuwissen oder Veronika Huemer, beide ausgebildete Wort-Gottes-Feier-Leiterinnen, stehen jeweils mit einer zweiten Frau den Gottesdiensten vor. „Die Gedanken zu den Lesungstexten sind ein sehr starker Teil. Denn man merkt, dass das, was hier gesagt wird, aus dem Leben kommt“, sagt Martina Stadlmair. Dann folgt der kreative, aktivierende Teil, der dem Gottesdienst den Namen gibt. Zum Beispiel bekommen die Kirchenbesucher:innen ein Puzzleteil und es wird etwas zusammengesetzt: Jeder und jede Einzelne ist eingeladen, mitzutun. „Aber wir machen nicht irgendwas Beliebiges“, betont Christa Meuwissen. „Es geht um die Fragen, wer Jesus Christus für mich ist oder was ich glaube, um nur einige Themen anzusprechen.“ Für den Kreativteil werden an die 120 Elemente vorbereitet. Das beantwortet die Frage, wie viele Leute kommen. Mit dem Glaubensbekenntnis geht es weiter über die Fürbitten bis zu einem Meditationstext und der Segensbitte zum Abschluss. Die Wort-Gottes-Feier mit Kreativteil dauert etwa 45 bis 50 Minuten, dann findet in den Gängen des Kirchenschiffs eine einfache Agape bei Wasser, Wein und Brot statt.
„Die Leute suchen dabei das Gespräch und wir haben den Eindruck, dass wir viele berühren“, sagt Christa Meuwissen und erinnert sich an drei Kurgäste, die zu ihr gesagt haben: „Wir hätten nie geglaubt, dass ein Gottesdienst so viel mit dem Leben zu tun haben kann.“ Martina Stadlmair weist darauf hin, „dass wir mit unseren Wort-Gottes-Feiern eine Brückenfunktion für Menschen haben, die der Kirche ferner sind“. Die Wort-Gottes-Feiern mit Kreativteil finden sechsmal im Jahr statt. Sie stünden natürlich in keiner Konkurrenz zur Eucharistiefeier, betont Christa Meuwissen. Sie freut sich, dass sie und ihr Team das anbieten dürfen.

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
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