Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
Viele tausend Mitfeiernde aus Oberösterreich und weit darüber waren zum Trauergottesdienst in den Linzer Mariendom gekommen. Aichern war am 31. Jänner im 94. Lebensjahr verstorben. Hauptzelebrant war Bischof Manfred Scheuer, der auch die Predigt hielt und darin noch einmal voll Dankbarkeit die vielen Verdienste Aicherns würdigte, zugleich in seinen Worten aber auch die vielen schwierigen Zeiten und so manche Konflikte in der Kirche nicht aussparte.
Tausende Menschen hatten am Freitag und am Samstagvormittag noch vor dem Requiem am aufgebahrten Sarg Aicherns persönlich Abschied vom Bischof genommen. Am Beginn des Requiems stellte Bischof Scheuer das "Danke" in den Mittelpunkt der Feier: "'Danke!' Das war ein Grundwort von Bischof Maximilian. Danksagung war in der Eucharistie seine Berufung. Heute danken wir Gott, dass er uns Bischof Maximilian in der Diözese Linz geschenkt hat. Vergelt's Gott für sein Wirken als Bischof, für sein Zeugnis, für seine Arbeit und auch für sein Gebet." Der Bischof verlas zudem auch den Text des Kondolenztelegramms von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin.
Am Ende des Gottesdienstes sprachen Landeshauptmann Thomas Stelzer, der evangelische Superintendent Gerold Lehner und die Geschäftsführende Vorsitzende des Pastoralrats der Diözese Linz, Brigitte Gruber-Aichberger, Worte des Gedenkens.
In der Dramatik seines Lebens und der Kirche habe Maximilian Aichern Freude und Zuversicht ausgestrahlt, betonte Bischof Scheuer in seiner Predigt. Das Wort "Lasst euch die Freude am Leben und am Glauben, am Menschsein und Christsein nicht nehmen", sei keine naive Schönfärberei oder Beschwörungsformel Aicherns gewesen. "Seine Freundlichkeit hat gut getan. Und doch, die Ablehnung und Gegnerschaft, die Denunziationen, die Querschüsse, die massiven Spannungen haben sich auf seine Nieren geschlagen und die Bandscheiben beschädigt", erinnerte Scheuer.
Aichern sei die Projektionsfläche für Erwartungen und Idealisierungen von Kirche gewesen, "was Menschlichkeit anlangt, auch für Enttäuschungen und Aggressionen. Er wurde verantwortlich dafür gemacht, was immer passierte." Bischof Maximilian musste das Bischofsamt in einer Konfliktgesellschaft, in vielfältigen Polarisierungen realisieren, so Scheuer: "Es war und ist eine Kunst, den Spagat zwischen Personen, Gruppen und Positionen, die Zerreißproben in Konflikten und Machtkämpfen zu koordinieren".
Aichern habe zudem Kontakte über sehr viele Grenzen hinweg gepflegt, "national und international, und das mit einer großen Nachhaltigkeit". Er sei für eine Allianz von Solidarität, Würde und Gerechtigkeit gestanden.
"Danke" sei Aicherns Grundwort gewesen, bis zuletzt und sehr deutlich in seinem Testament, so Scheuer weiter. In allem und trotz allem gelte: "Vergiss nicht das Gute, dass Gott dir getan hat." Bischof Maximilian sei eine "Personifizierung von Wertschätzung und Dankbarkeit" gewesen.
Bischof Scheuer hob schließlich auch die große Empathiefähigkeit Aicherns hervor. In den letzten Wochen sei oft zu hören gewesen, dass die Empathie eine Schwäche sei. Empathielosigkeit sollte zum politischen Programm werden, so der Bischof unter Verwies auf Elon Musk. Bischof Aichern sei hingegen bei mehreren Synoden dabei gewesen. "Er war dabei ein Hörender." Synoden seien Schulen der Empathie, des Respekts und des Lernens, um andere in ihren Rollen und Positionen zu verstehen.
Bischof Scheuer schloss seine Predigt mit den Worten: "Wir vertrauen Bischof Maximilian der Liebe Gottes an. Wir vertrauen unsere Beziehungen zu Bischof Maximilian der Güte und der Kraft Gottes an, dass Gott selbst uns heile, versöhne und vollende."
Nach der Predigt sang die Feiergemeinde gemeinsam das Lied "Ubi caritas et amor, Deus ibi est" (Wo Güte ist und Liebe, dort ist Gott). Mit diesem Ruf wurde zum Ausdruck gebracht, was für Bischof Maximilian wesentlich war: ein Dienen in Liebe, wie er es auch in seinem bischöflichen Wahlspruch formuliert hatte: "In caritate servire" (In Liebe dienen).
Landeshauptmann Thomas Stelzer betonte in seinen Gedenkworten am Ende des Gottesdienstes, Bischof Aichern habe auch nach seiner Emeritierung sein Leben in den Dienst der Sorge um die Menschen in Oberösterreich gestellt. "Er war zeitlebens ein sympathisches und gewinnendes Gesicht für unsere Kirche - ein offenes und öffnendes, das unserem Land, aber ganz besonders auch unserer Kirche gut tat", so Stelzer. Bischof Maximilian habe stets vermittelt, dass er die Menschen mochte - "und die Menschen mochten und mögen ihn". Aichern habe durch viele Jahrzehnte das kirchliche, aber auch das gesellschaftliche Leben in Oberösterreich entscheidend mitgestaltet und geprägt. "Sein Wahlspruch und Lebensprogramm 'In Caritate servire', 'In Liebe dienen', kann dafür als großer inhaltlicher Anspruch und als Klammer gelten", betonte der Landeshauptmann.
Stelzer würdigte den Verstorbenen als Mann des Dialogs und des Brückenbaus "in unserer Kirche, zwischen den Kirchen, aber auch in Richtung Gesellschaft und ihrer vielen Gruppierungen und Gliederungen". Aicherns Wort habe Gewicht gehabt, weil seine Worte mit Bedacht und Tiefgang gewählt waren und gleichzeitig für viele verständlich waren und Menschen anrührten. "Und damit bewegte er viel. Vor allem, weil in seinen Worten auch immer seine Überzeugung zum Ausdruck kam - und bei ihm Worte auch in konkreten Taten ihren Ausdruck fanden. Bischof Maximilian hörte man gerne zu; auf ihn hörte man", unterstrich Stelzer. Für Oberösterreich sei Sozialbischof Maximilian Aichern ein wichtiger, mahnender und mithelfender Gestalter gewesen. "Denn ein Land darf sich nur dann wirklich stark nennen, wenn es niemanden zurück- und niemanden alleinlässt. Bischof Maximilian stand dafür und wirkte dafür", so Stelzer.
Superintendent Lehner betonte, Aichern sei auch nach seiner Emeritierung seiner Diözese und ihren Menschen treu geblieben. "Er hat sich nobel zurückgehalten, mit Kommentaren aus der zweiten Reihe, aber er war immer da, wo man ihn gebraucht und gerufen hat", so Lehner. Er zeichnete anhand von einigen Begegnungen und Erfahrungen mit Bischof Maximilian ein sehr persönliches, berührendes und charakteristisches Bild des Verstorbenen.
Ein prägendes Erlebnis: die Feier eines gemeinsamen ökumenischen Gottesdienstes im Mariendom, als Aichern bereits emeritierter Bischof war. "Wir ziehen aus der Sakristei in den Dom ein, verbeugen uns vor dem Altar und gehen auf die Sitze zu, und Bischof Maximilian zeigt auf den Bischofssitz und sagt zu mir: Das ist dein Platz. Du bist aktiv und ich bin Emeritus, deshalb leitest du den Gottesdienst. Und ich war ein klein wenig fassungslos und habe gesagt: Bischof Maximilian, das geht nicht, du bist der Bischof. Und er hat gesagt: Nein, wir machen das so." Diese Geste habe sich bei ihm, Lehner tief eingeprägt und sei zeichenhaft dafür gewesen, wie Aichern Ökumene gelebt habe: als Anerkennung der Schwesterkirche und ihrer Amtsträger auf Augenhöhe und als geschwisterliches Miteinander. Der Superintendent abschließend: "Wir danken Gott, dass er uns Bischof Maximilian als Bruder und Bischof geschenkt hat."
Brigitte Gruber-Aichberger, langjährige Leiterin der Abteilung Pastorale Berufe und aktuell Geschäftsführende Vorsitzende des Pastoralrates der Diözese Linz, erinnerte in ihrer Ansprache an ein Wort von Bischof Maximilian Aichern aus seiner Ansprache am Tag seiner Bischofsweihe am 17. Jänner 1982: "Ich will ein Mann des Friedens, der Gesprächsbereitschaft und des Verstehens sein. Ich will beitragen, dass Brücken zwischen den verschiedenen Meinungen gebaut werden. Ich will euch allen ein Bruder im Glauben sein." Dieses Versprechen habe Bischof Maximilian eingelöst.
Aichern sei eine Persönlichkeit gewesen "mit klaren Optionen für ein würdevolles, gutes Leben für alle, für die Gleichstellung von Frauen, für die Berufung aller Getauften, das Evangelium zu verkünden, für gute Arbeitsbedingungen und für ein gutes Miteinander von Priestern und Laien in der Kirche." So habe er etwa den diözesanen Kollektivvertrag befürwortet, eine diözesane Frauenkommission eingesetzt, deren Vorsitzende in Entscheidungsgremien geholt und Frauen wesentliche Leitungspositionen übertragen. Aichern sei Ermöglicher und Ermutiger gewesen, habe aber Ideen nie im Alleingang "durchgezogen", so Gruber-Aichberger.
Aichern sei mit prophetischem Mut für eine weltoffene, von allen Getauften getragene Kirche im Dienst der Menschen gestanden. Er habe dazu einmal gesagt: "Man muss manche Sachen ertragen können. Ich vertraue darauf, dass unrechte Saat nicht aufgeht." Gruber-Aichberger schloss mit den Worten in Richtung des Verstorbenen: "Du warst ein Segen für die Diözese Linz, insbesondere für uns Laien und für uns Frauen. Die Verbundenheit mit dir wird uns weiter die Richtung weisen, aber du wirst fehlen."
Mit Bischof Scheuer konzelebrierten beim Requiem der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl, der emeritierte Belgrader Erzbischof Stanislav Hocevar, Bischof Alois Schwarz (St. Pölten) und Bischof Wilhelm Krautwaschl (Graz); ebenso der St. Pöltner Altbischof Klaus Küng, die Weihbischöfe Anton Leichtfried, Franz Scharl, Hansjörg Hofer und Benediktiner-Abtpräses Johannes Perkmann. Auch der Apostolische Nuntius Pedro Lopez Quintana nahm am Requiem teil.
Zahlreiche heimischen Äbte, Provinziale und Ordensoberinnen erwiesen Altbischof Aichern die letzte Ehre; so etwa der Abt von Bischof Maximilians Heimatkloster St. Lambrecht, Alfred Eichmann und dessen Vorgänger Benedikt Plank und Otto Strohmaier, der Abtpräses der Österreichischen Benediktinerkongregation Johannes Perkmann, Abt Reinhold Dessl (Stift Wilhering), Abt Lukas Dikany und sein Vorgänger Martin Felhofer (Stift Schlägl), Abt Bernhard Eckerstorfer (Stift Kremsmünster), Propst Markus Grasl (Stift Reichersberg), Propst Klaus Sonnleitner (Stift St. Florian) und Abt Nikolaus Thiel (Stift Schlierbach), P. Christoph Eisentraut (Provinzial der Kongregation der Missionare von Mariannhill), außerdem Propst em. Maximilian Fürnsinn (Stift Herzogenburg) und Abt em. Johannes Jung (Schottenstift).
Von den oberösterreichischen Frauenorden nahmen u.a. Generaloberin Sr. Margret Grill (Marienschwestern vom Karmel) und ihre Vorgängerin Sr. Michaela Pfeiffer-Vogl, Priorin Sr. Hanna Jurman (Benediktinerinnen von Steinerkirchen) sowie Vertreterinnen der Barmherzigen Schwestern, der Elisabethinen, der Franziskanerinnen und der Kreuzschwestern am Requiem teil.
Als Vertreterinnen und Vertreter der Ökumene und der Religionen waren neben Superintendent Lehner die evangelische Superintendentialkuratorin Renate Bauinger, Erzpriester Dragan Micic von der Serbisch-orthodoxen Kirche, Goran Ostojic von der Griechisch-orthodoxen Kirche, Präsidentin Charlotte Herman von der Israelitischen Kultusgemeinde und Murat Baser von der Islamischen Religionsgemeinde gekommen. Die Politik war an erster Stelle von Landeshauptmann Thomas Stelzer und seinem Vorgänger Josef Pühringer vertreten.
Die Kollekte (Kirchensammlung) beim Gottesdienst kam dem Fonds zur Finanzierung pastoraler Projekte in Mittel- und Osteuropa (Osthilfefonds) zugute. Der Osthilfefonds wurde von Bischof Aichern 1996 gegründet und unterstützt vor allem in Belarus, Rumänien und Bosnien-Herzegowina Projekte, die das kirchliche Leben fördern und den Einsatz der Kirche in den Bereichen Bildung, Soziales und Menschenrechte stärken.
In die Gestaltung des Requiems waren Personen eingebunden, die mit Bischof Maximilian Aichern ein Stück seines Lebensweges gegangen sind. Für die musikalische Gestaltung verantwortlich zeichnete Domkapellmeister Andreas Peterl, der die Gesamtleitung innehatte. Es musizierten der Linzer Domchor und das Orchester der Dommusik. Es erklangen Teile des Requiems von Gabriel Fauré (1845 - 1924) in der Fassung von 1889 (op. 45), außerdem wurden Lieder und Gesänge aus dem Gesangbuch "Gotteslob" gesungen.
Nach den Trauerfeierlichkeiten in Linz wird der Sarg mit der sterblichen Hülle Aicherns nun in sein Heimatkloster St. Lambrecht überstellt. Dort wird der Leichnam vom Abt und den Mitbrüdern empfangen und in die Stiftskirche geleitet. Am Sonntag, 8. Februar, wird Bischof Aichern ab 11.30 Uhr in der Stiftskirche aufgebahrt. Am Montag, 9. Februar, wird um 14 Uhr ein vom Abtpräses der Benediktiner, Johannes Perkmann, geleitetes Requiem in der Stiftskirche gefeiert. Danach folgt die Einsegnung durch den Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl und die Beisetzung in der Äbtegruft der Stiftskirche unter der Leitung von Abt Alfred Eichmann.

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
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