Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
Alle Menschen mit ihren unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten sind als Abbild Gottes in der katholischen Kirche willkommen. Das ist kurz gesagt die Idee hinter dem Prädikat „a+o“ (akzeptierend und offen), die alle kirchlichen Einrichtungen ausweist, die sich zu einer queersensiblen Haltung verpflichten.
Damit ist die Haltung progressiver als die offizielle Lehre der Kirche, die immer noch homosexuelle Handlungen ablehnt. Die Diözese Linz nimmt jedoch mit der Regenbogenpastoral als wichtigen Seelsorgeschwerpunkt im deutschsprachigen Raum eine Vorreiterrolle ein.
Es gibt derzeit 22 Pfarrgemeinden in Oberösterreich, die das „a+o“-Prädikat haben, darunter Wels-St. Franziskus. Zeichen der Offenheit ist, dass es immer wieder Paarsegnungen von schwulen oder lesbischen Paaren in der Welser Pfarre gibt.
Mit einem eigenen Arbeitskreis Regenbogenpastoral ist die Pfarrgemeinde noch einen Schritt weitergegangen. Im Leitbild des Arbeitskreises heißt es: „Wir möchten nicht nur akzeptierend und offen, sondern bewusst einladend gegenüber queeren Menschen sein.“
„Auch wenn es vorsichtige Zeichen der Öffnung gibt, ist das Verhältnis der katholischen Kirche und der Queer-Community kein gutes“, betont der Arbeitskreis. Das will man nun eben ändern. Im Pride Month Juni wird etwa die Regenbogenfahne als Zeichen der Solidarität gehisst. Vor allem gibt es zwei bis drei Mal jährlich Regenbogengottesdienste, meist finden sie sonntagabends statt. „Bis jetzt sind etwa 50 Leute zu diesen Feiern gekommen“, erzählt Gerhard Bleimschein vom Arbeitskreis mitarbeitet.
Dass der pensionierte Arzt in der Regenbogenpastoral mitarbeitet, hat auch sehr persönliche Gründe. „Mein Sohn ist schwul und verpartnert“, sagt er. Als Vater hat er miterlebt, wie wichtig eine offene Haltung der Kirche ist, damit queere Menschen nicht vor den Kopf gestoßen werden. Bleimschein betont: „Der Kirche steht ein Urteil nicht zu. Liebe ist nichts Sündhaftes und kann nichts Schlechtes sein.“

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
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