Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
„Wir alle wünschen uns, im Gesundheitswesen nicht nur als Fall oder Diagnose wahrgenommen zu werden, sondern als Mensch in unserer Ganzheit – mit Körper, Geist und Seele“, sagt Doris Wierzbicki, Leiterin des Teams Seelsorge im Gesundheitswesen der Diözesanen Dienste. „Gerade in Zeiten von Krankheit, Verletzlichkeit und existenziellen Krisen zeigt sich, wie wichtig dieser umfassende Blick auf den Menschen ist.“
Hier setzt auch die Seelsorge an, um sowohl gesunde Menschen als auch Menschen im Heilungsprozess oder am Lebensende zu stärken. „Besonders im Hospiz- und Rehabilitationsbereich wissen wir, wie bedeutsam Spiritualität ist. Rehabilitation bedeutet nicht nur körperliche Stabilisierung. Sie ist ein Prozess der Neuorientierung. Menschen stehen vor der Aufgabe, Abschied zu nehmen von dem, was war, und sich mit einer veränderten Lebenssituation auseinanderzusetzen.
Diese Übergänge sind oft von Unsicherheit, Angst und Verlust begleitet“, sagt Wierzbicki. Spiritualität könne in solchen Phasen gesundheitsfördernd wirken. Sie aktiviere innere Ressourcen, stärke die Resilienz und eröffne neue Perspektiven.
„Wenn Menschen ins Krankenhaus kommen – Patient:innen, aber auch Angehörige –, so sind diese Aufenthalte mit verschiedenen Gefühlen behaftet, etwa Verunsicherung, Angst, Traurigkeit, Ungeduld, aber auch Hoffnung, Vorfreude, Erleichterung oder Dankbarkeit. Gleichzeitig kommen sie in einer ganz persönlichen Ausnahmesituation: mit einer schweren Diagnose, vor einer großen Operation oder am Ende ihres Lebens“, sagt Johann Minihuber, Geschäftsführer Oö. Ordensspitäler Koordinations GmbH.
Die Ordensspitäler in Oberösterreich verstünden sich seit jeher als Orte einer ganzheitlichen Sorge um den Menschen, daher sei Spiritualität auch keine Zusatzleistung und kein „Nice-to-have“: „Spiritualität kann Patient:innen und Angehörige ebenso wie Mitarbeitende stärken und Halt geben“, sagt Minihuber. Doris Wierzbicki weist darauf hin, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) diese Sichtweise teilt: „Die WHO versteht spirituelles Wohlbefinden als Teil ganzheitlicher Gesundheit – gleichrangig neben körperlichem, psychischem und sozialem Wohlbefinden.“
Ein Gesundheitswesen, das den Menschen wirklich in den Mittelpunkt stellt, müsse diese Dimension ernst nehmen, ist Wierzbicki überzeugt. Hier komme der konfessionellen Seelsorge eine zentrale Rolle zu: „Sie ergänzt den medizinischen Auftrag, indem sie Raum gibt für Fragen, die nicht therapierbar, aber zutiefst menschlich sind: Fragen nach Sinn, Hoffnung, Schuld oder Abschied.

Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
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