Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
Dass man in einer kleinen Marktgemeinde des Mühlviertels ein künstlerisch so hochwertiges Barockensemble findet, hängt mit dem berühmtesten „Sohn“ von Schenkenfelden zusammen: mit Johann Georg Freiherr von Harruckern. Er wurde 1664 in eine ärmliche Leinenweber-Familie geboren. Sein Elternhaus steht am Marktplatz, wo eine Gedenktafel an ihn erinnert. Ein Onkel, der Dechant in Enns war, ermöglichte dem begabten Buben ein „Studium“, das ihm eine Anstellung in der Heeresverwaltung eröffnete. Als der Kaiser aufgrund der grassierenden Korruption das Heer durchleuchten ließ, ging Harruckerns Abteilung als unbescholten hervor.
Damit begann der Aufstieg Harruckerns, der es schließlich bis zum Proviantmeister der kaiserlichen Truppen brachte. Versorgten sich die Truppen bis dahin selbst, vor allem durch Plünderungen, setzte Harruckern auf geordneten Einkauf und heereseigene Bäckereien. Die Verpflegung der Soldaten wurde nicht nur effektiver, sondern auch billiger. Der berühmte Prinz Eugen griff in den Türkenkriegen immer wieder auf die Fähigkeiten Harruckerns zurück, der den Nachschub für bis zu 250.000 Mann und 50.000 Pferde erfolgreich organisierte. Für seine Dienste wurde Harruckern geadelt und er erhielt die Herrschaft über 95 Ortschaften im – von den Türkenkriegen völlig verwüsteten – Gebiet des heutigen Südungarn und Rumänien.
Nicht nur sein Organisationstalent, auch Harruckerns Toleranz waren ausschlaggebend, dass seine Besitzungen zu blühenden Landschaften wurden. „Er übte auf die in der Mehrheit protestantischen Bauern keinerlei Druck aus, katholisch zu werden. Auch die Leibeigenschaft war in seinem Verantwortungsbereich aufgehoben“, erklärt Franz Ganhör aus Schenkenfelden, der sich nicht nur um die Gebäude am Kalvarienberg kümmert, sondern sich auch für die Person Harruckern interessiert. So soll ein zeitgenössischer lutherischer Pastor – hier frei wiedergegeben – gesagt haben: „Gesegnet sei die Erde, über die Harruckern herrscht. Was soll seinen Untertanen fehlen? Sie wissen ja gar nicht, was Elend und Untertansein heißt.“ Im Jahr 1742 ist Johann Georg Harruckern 78- jährig verstorben. Seine letzte Ruhestätte fand er im Wiener Stephansdom.
Harruckern, der im Auftrag des Kaisers in halb Europa tätig war, hat seine kleine Heimatgemeinde aber nicht vergessen. In den Jahren 1712 und 1713 ließ er – etwa eineinhalb Kilometer vom Ortszentrum entfernt – am Hang des Thierbergs einen Kalvarienberg errichten. Für den Bau der Kirche und für drei weitere Kapellen, darunter das Heilige Grab, hat er den Linzer Barockbaumeister Johann Michael Prunner beauftragt. Kurz vor seinem Tod ließ Harruckern noch elf Kreuzwegstationen in Form von zwei mal zwei großen Kapellen bauen, sodass heute auf einer Nebenfahrbahn parallel zur Straße nach Freistadt ein Kreuzweg auf den Thierberg führt.
Zentrum und auch größtes Gebäude des Ensembles am Thierberg ist die Kalvarienbergkirche, die die zwölfte Station des Kreuzwegs bildet. Sie ist ein achteckiger Bau mit einer Apsis, in der sich eine Kreuzigungsgruppe mit lebensgroßen Figuren befindet. Auf dem Gesims, das den Übergang zur Kuppel markiert, sitzen acht Engel, von denen jeder ein „Leidenswerkzeug Christi“ in den Händen hält: von der Geißelungssäule über die Dornenkrone bis zur Lanze, mit der Jesu Brustkorb durchbohrt wurde. Den Raum prägen auch mächtige Statuen der vier Evangelisten.
Verlässt man die Kirche, sieht man linker Hand eine Kapelle mit einer Pieta, die dreizehnte Kreuzwegstation. Einige Stufen führen hinab zu einer weiteren Kapelle, die der heiligen Helena geweiht ist. Helena, die Mutter Kaiser Konstantins des Großen, reiste 326 nach Jerusalem und errichtete dort im Auftrag ihres Sohnes das heute „Grabeskirche“ genannte Gotteshaus, nachdem sie das wahre Kreuz Christi entdeckt und den Ort der Kreuzigung sowie des Grabes Jesu identifiziert hatte. Helena wird in der Orthodoxie und in der katholischen Kirche als Heilige verehrt. Unmittelbar bei der Helena-Kapelle findet sich das Heilige Grab, nach der Kalvarienbergkirche das zweitgrößte Gebäude des Ensembles. Mit seinen zwei Räumen, der Engelkapelle und dem Grabraum, ist es dem Grab Jesu in Jerusalem nachempfunden. Bedeckt mit durchscheinendem Stoff liegt in der Grabkammer auf einer Steinbank eine Jesusstatue. Das Heilige Grab ist die vierzehnte Station des Kreuzwegs. Die betont schlichte Gestaltung der Kapelle steht in Kontrast zu den aufwendiger ausgeführten Kreuzwegstationen, ist aber dem Leidensweg Jesu entsprechend ein passender Abschluss.
Das gesamte Kalvarienberg-Ensemble von Schenkenfelden ist von einer Mauer umgeben, von der ein Durchgang in den Friedhof führt. Der Friedhof wurde 1786 von der Pfarrkirche auf den Thierberg verlegt. Wenn man vor den Gräbern steht, kann man zu den Bauten von Tod und Auferstehung Jesu blicken, die eine Art „Skyline der Hoffnung“ bilden. Der vor etwas mehr als zehn Jahren mit großem Engagement der Bevölkerung renovierte Kalavarienberg ist frei zugänglich. Er ist ein kunstgeschichtlich besonderer und spirituell einladender Ort – zu jeder Zeit, ob tief verschneit oder in der Frühlingssonne.

Maria Fischer studierte Theologie und Philosophie. Sie ist Pastoralvorständin der Pfarre TraunerLand in der Diözese Linz.
Turmeremitin Birgit Kubik berichtet über ihre Woche in der Türmerstube hoch oben im Mariendom Linz >>

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