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„Kirche muss aufbrechen, wenn sie nicht zerbrechen möchte“

KIRCHE_OÖ

In der Kirche engagieren sich Frauen tagtäglich und erleben dabei nicht nur Freude, sondern auch Frust.

Ausgabe: 10/2026
03.03.2026
- Lisa-Maria Hammerl
Frauen engagieren sich auf vielfältigste Weise in der Kirche (hier in der Diözesanbibliothek), auch wenn es Momente gibt, die es für sie schwierig machen, zu bleiben.
Frauen engagieren sich auf vielfältigste Weise in der Kirche (hier in der Diözesanbibliothek), auch wenn es Momente gibt, die es für sie schwierig machen, zu bleiben.
© © Diözese Linz / Frauenkommission / Laurenz Kaiser

Warum sie trotzdem dabeibleibt, erzählt Karin Limberger von der Katholischen Frauenbewegung OÖ der Kirchenzeitung. Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich, sprach auf Einladung der Katholischen Arbeiter:innen-Bewegung über dieses Spannungsfeld beim Frauenstudientag. 

 

Frauen, die sich in der katholischen Kirche engagieren, erleben oft ein Dilemma: auf der einen Seite die Freude des Mitgestaltens, auf der anderen oft Frust oder gar Wut über die Grenzen, die ihnen begegnen. Auch Maria Katharina Moser, früher katholisch, aktuell Direktorin der Diakonie Österreich, hat diese Zwickmühle zwischen „Selbstwirksamkeit und Ausschluss“, gekannt, erzählt sie gegenüber der Kirchenzeitung: „Ich bin in Eferding aufgewachsen und war verwurzelt in der Pfarrgemeinde. Als Jugendliche hat man sehr viel gestalten können. Gleichzeitig war immer klar: Frauen sind bestimmte Grenzen gesetzt.“ Beispielsweise wäre sie gerne Ministrantin geworden, jedoch war das zu jener Zeit für Mädchen noch gar nicht möglich. Erst später, als Jugendliche, konnte sie sich diesen Wunsch erfüllen.

 

Männliche Prägung


Ein Spannungsfeld ergebe sich für Frauen in der katholischen Kirche auch dadurch, dass sie sich spirituell nicht ganz so „zuhause“ fühlen könnten, bedingt durch die männliche Dominanz etwa bei den Predigten und Ritualen im Gottesdienst. „Es ist eine individuelle Frage, wie man damit umgeht. Mein Weg hat mich in die evangelische Kirche geführt, wo ich die volle Gleichberechtigung von Frauen mit allen Ämtern und Möglichkeiten erlebe.“ Moser betont, dass dies jedoch nicht der Hauptgrund gewesen sei zur evangelischen Kirche zu wechseln, sondern unter anderem „das andere Kirchenbild und Amtsverständnis“, erklärt sie. Politisch habe sich viel verändert, was es für Moser noch einmal wichtiger macht, dass Frauen – egal in welcher Kirche – bleiben. Sie warnt, dass  „Kirchen zu einem Hort von Antifeminismus und Antigenderismus werden, wenn Frauen gehen“. Das tue der Gesellschaft insgesamt nicht gut. Sie verweist dabei etwa auf den stärker gewordenen christlichen Nationalismus. 

 

„Nicht rational“


Dass Frauen keinen Zugang zu Weiheämtern bekommen, sei „nicht rational“, sagt Moser. Trotz der anhaltenden Widerstände ist sie überzeugt, das ändere sich irgendwann, denn: „Ich glaube an den Heiligen Geist, darum glaube ich, es ist realistisch.“ Auch wenn Frauen für sich selbst und für den Kampf eine hohe Verantwortung trügen, müssten auch die Männer deutlich machen, dass sie die Gleichstellung von Frauen wollen – dass sie bereit sind, Platz zu machen und Macht und Einfluss zu teilen. 

 

Warum dabeibleiben?


Maria Katharina Moser war vergangenen Samstag auch Referentin des Frauenstudientags der KAB (Katholische Arbeiter:innen-Bewegung). Frauen aus fünf Diözesen tagten zum Spannungsfeld „Frauen zwischen Engagement und Kirchenaustritt“ im Cardijn-Haus in Linz. Engagement werde etwa als Beitrag für ein gutes Leben, als Dienst für andere, als sich selbst verwirklichen können, sich zugehörig fühlen gesehen und gelebt. Dennoch berichteten die meisten Frauen von Momenten, in denen es für sie schwierig geworden sei, Mitglied zu sein und zu bleiben. 


Moser war es ein besonderes Anliegen, den Frauen Gründe fürs Bleiben mitzugeben. Dazu gehöre, dass Kirchen über nationale Grenzen hinweg Gemeinschaft stiften können, dass es eine Verlustkompetenz gibt, die über krisenhafte Zeiten hinweghilft und Hoffnung geben kann, und dass uns das Evangelium anvertraut ist. 

 

Durchhaltevermögen


Karin Limberger, ehrenamtliche stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Oberösterreich, beschreibt diesen inneren Konflikt so: Hier das „Feuer der Begeisterung“, da immer wieder  „dieses Zurückgezogenwerden in die Realität der Begrenzungen, die die Institution vorgibt“. Ihre Strategie lautet, sich zu fragen: „Wohin gebe ich meine Energie – in die Frustration oder in den Blick nach vorne, um als Mitgestalterin zu agieren?“ Es sei mühsam, die sehr lang nur von Männern geprägte Kirche zu verändern, dafür brauche es viel Durchhaltekraft, sagt Limberger. „Als Frau in der Kirche kann ich das nur schaffen, weil ich viele andere Frauen habe, mit denen ich mich austausche, mit denen ich wieder Begeisterung erfahre und Spiritualität in einer mir gerechten Art und Weise leben kann. Wenn wir die Institution Kirche verändern wollen, dann von innen heraus: in der Pfarrgemeinde, in Wortgottesfeiern, als Seelsorgerinnen, im Religionsunterricht. Es gibt so viele Facetten, wo wir Frauen präsent sind und das Gesicht der Kirche mitgestalten.“ 

 

Wertvolle Ressource


Limberger sieht Religion als wertvolle Ressource und das Glaubensleben als eine Bereicherung. Diese für Menschen spürbar zu machen, Angebote zu setzen oder auch im Zuhören und Dasein Gottes Liebe spürbar zu machen: Das gehe ohne Institution, deshalb müsse die Kirche aufbrechen, wenn sie nicht zerbrechen möchte. „Ich sehe mich auch als Nachfolgerin von Jesus und glaube, dass Jesus niemals erwartet hätte, dass seine Botschaft in einer so starren Institution beheimatet wird.“ Für die Frauen wünscht Limberger sich, dass sie sich weiterhin gut vernetzen, nicht den Mut verlieren, Widerstand leisten, miteinander gestalten und sich auf die Botschaft der göttlichen Liebe besinnen. 

 

Neues Bild von Kirche


Für ein neues Bild von Kirche setzt sich auch die Frauenkommission der Diözese Linz ein, und das im wahrsten Sinn des Wortes. Denn wer an die katholische Kirche denkt, hat unweigerlich ein Bild von Männern im Kopf: beginnend beim Papst über das prächtig gekleidete Kardinalskollegium bis zum Pfarrer im Ort. Im Rahmen des Fotoprojekts „Die Kirche ist weiblich“ sind deshalb knapp 600 Bilder entstanden, die zeigen, „wie bunt und vielfältig Kirche ist, und dass ohne Frauen nichts geht“ (Magdalena Welsch, Frauenbeauftragte der Diözese Linz): bei Feiern wie Erntedank und Maiandacht, in der Elementarpädagogik bis zu Kursen für Senior:innen, im ehrenamtlichen Engagement als Mesnerin, Organistin oder in der kfb-Ortsgruppe sowie in der Seelsorge in der Pfarrkirche, auf Festivals oder im Gefängnis. 

 

Ausstellung „Die Kirche ist weiblich“
Wissensturm Linz
6. 3.–19. 4.

 

Fotoausstellung der Frauenkommission derDiözese Linz. 49 Frauen sind stellvertretend für Zehntausende vor die Kamera getreten.
Sie machen sichtbar, wie Frauen unsere Kirche prägen und tragen – in Seelsorge, Bildung, Verwaltung, Caritas und Führung.
Anmeldung Vernissage: www.dioezese-linz.at/frauenkommission

Maria Katharina Moser, evangelische Pfarrerin und Direktorin der Diakonie Österreich.
Maria Katharina Moser, evangelische Pfarrerin und Direktorin der Diakonie Österreich.
© Simon Rainsborough
Karin Limberger, ehrenamtliche stv. Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung OÖ.
Karin Limberger, ehrenamtliche stv. Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung OÖ.
© FOThOMarkowetz
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