Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
Dass sie in ihrer Heimatstadt Basra im Südirak an Protesten gegen extremistische Milizen teilnahmen, wurde Furqan und seiner Frau Hadeer letztlich zum Verhängnis. Es sollte nicht lange dauern, bis die gewaltsame Antwort folgte.
Vermummte drangen in ihre Wohnung ein und attackierten Hadeer, die daraufhin im Krankenhaus versorgt werden musste. „Wo ist dein Ehemann?“, hatten die bewaffneten Männer beim Überfall nach Furqan gefragt, der zu dieser Zeit gerade auswärts war. „Mein Bruder, der auch an den Protesten teilgenommen hat, wurde getötet“, erzählt Furqan.
Etwa acht Jahre sind die tragischen Ereignisse her, die zur Flucht aus dem Irak veranlassten, beiden Eheleute gemeinsam mit ihrem Sohn, der damals drei Jahre alt war. Ihr Odyssee führte sie von der Türkei nach Griechenland, wo sie mehrere Jahre lebten. Danach machten sie sich auf den beschwerlichen Weg nach Österreich, wo sie seit 2021 leben, unterbrochen von einem Jahr in Bayern.
Nun haben sie in Katsdorf im Mühlviertel eine neue Heimat gefunden und leben hier mit ihrem ältesten elfjährigen Sohn und den beiden Töchtern, die fünf und drei Jahre alt sind. Dabei haben Furqan und Hadeer auch an Kontakt zur Pfarrgemeinde Katsdorf geknüpft. Obwohl beide Muslime sind, haben sie bereits im Irak im Geheimen christliche Kirchen besucht. Geheim deshalb, weil im Irak eine Konversion zum Christentum für Muslime gefährlich ist.
Erst vor wenigen Tagen wurde Furqan während eines Gottesdienstes in Katsdorf feierlich ins Katechumenat aufgenommen, was als offizieller Start der Vorbereitungszeit auf die Taufe gilt. „Ich empfand dabei ein tiefes Gefühl des Friedens“, erzählt Furqan.
Während er dabei ist zum christlichen Glauben zu konvertieren, zögert seine Frau Hadeer mit diesem Schritt. „Ich habe noch zu viel Angst“, sagt sie.
Ehrenamtlich engagieren sich jedoch beide Eheleute in der Pfarrgemeinde Katsdorf. Hadeer kocht und backt fürs Pfarrcafé an den Sonntagen und Furqan erledigt eine Vielzahl an Hilfstätigkeiten auf der Pfarrheim-Baustelle, von Stemmarbeiten bis zum Ausmalen. „Für mich ist die Familie ein gutes Beispiel für Flüchtlinge, die sich integrieren wollen“, betont Pfarrvikar Franz Wenigwieser.
Während sie später einmal als Krankenschwester arbeiten möchte, könnte sich Furqan gut vorstellen, als Lkw-Fahrer unterwegs zu sein. Beides wird aber erst möglich, wenn die Familie Asyl bekommt. „Mich macht das schon nervös,“ sagt Hadeer, die unbedingt in Österreich bleiben möchte: Was Hadeer, die drei Mal in der Woche einen Deutschkurs besucht, an Leben in Österreich schätzt, ist, dass sie als Frau viel freier leben kann. Das bedeutet etwa, dass sie das Kopftuch ablegen konnte und sich nicht bei Besuch von Nachbarn in der Wohnung verstecken muss, wie es im Irak von muslimischen Frauen erwartet wird. Hadeer sagt: „Hier zu leben ist schöner und ich kann endlich wieder ruhiger schlafen als im Irak oder auf der Flucht.“

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
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