Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
Bischof Manfred Scheuer in einer ersten Stellungnahme: „Traurig aber mit großer Dankbarkeit blicke ich auf das Wirken von Bischof Maximilian Aichern, der unsere Diözese mit seinem weiten Herzen, seiner Menschenfreundlichkeit und seinem tiefen Glauben geprägt hat. Er war ein Brückenbauer, der stets den Dialog suchte – in der Kirche ebenso wie in der Gesellschaft. Seine geistige Strahlkraft und sein unerschütterliches Vertrauen in eine gute Zukunft bleiben uns Vermächtnis und Auftrag. Und dennoch: Er wird uns allen sehr fehlen. Ich möchte einladen zum Gebet für unseren Bischof Maximilian. Gott schenke ihm den Himmel.“
Zur Trauer über den Verlust des Linzer Altbischofs gesellt sich für Erzbischof Franz Lackner eine "große, tiefe Dankbarkeit für sein langes Wirken". Mit Aichern sei jemand heimgegangen, "der sein Amt und seine Sendung als Hirte unmittelbar im Herzen seiner Herde lebte". Áichern habe sich betreffen lassen von den Schicksalen der Menschen, "vergaß keine Person, der er begegnete", so Lackner. Der Verstorbene habe sich um die Arbeitslosen, die Vertriebenen gesorgt, das entschiedene Auftreten und der Einsatz der Kirche in sozialen Fragen sei ihm eines der größten Anliegen gewesen, würdigte der Vorsitzende der Bischofskonferenz.
Aichern sei bis ins hohe Alter ein gern gesehener Gast gewesen, "der seine reichen Erinnerungen und auch sein profundes Wissen über die Geschichte der Kirche teilte". Lackner nannte es eine schöne Fügung, "dass Bischof Maximilians lange irdische Pilgerreise im Dienst an Gott und den Menschen am heutigen Tag der Feier des geweihten Lebens vollendet wurde" und rief zum Gebet für den Verstorbenen auf.
"Er war ein Hirte, der die Menschen suchte und verstand", heißt es im Nachruf des neuen Wiener Erzbischofs Josef Grünwidl auf Maximilian Aichern. Die Wurzeln des gebürtigen Wieners in der Reindlgasse und seine ursprüngliche Ausbildung zum Fleischhauer hätten Aichern geprägt: "Er wusste, was Arbeit bedeutet und wo den Leuten der Schuh drückt", so Grünwidl. Als Benediktiner habe der Verstorbene eine bodenständige Spiritualität gelebt, die Gebet und sozialen Einsatz verband. Aicherns Gespür für Gerechtigkeit habe ihn weit über die Kirche hinaus zu einer viel beachteten Stimme gemacht. Grünwidl "denke mit Dankbarkeit an diesen Sohn unserer Erzdiözese" und "großen Bischof von Linz".
"Er war und ist ein Vorbild" lautet der Titel eines Statements der beiden steirischen Bischöfe Wilhelm Krautwaschl und Johannes Freitag zum Tod von Altbischof Aichern auf der Grazer Diözesan-Website. Diözesanbischof Krautwaschl lernte den Verstorbenen bei Exerzitien im steirischen Benediktinerstift St. Lambrecht kennen, dem Aichern von 1977 bis 1982 als Abt vorstand. "Er war ein offenherziger, an vielem interessierter Mensch, der dem Evangelium schon als Abt und durch seine Lebensgeschichte Hand und Fuß verliehen hat", so der Grazer Bischof. Die Kirche verliere mit Aichern einen Menschen, der soziale Fragestellungen gesehen und angepackt habe. "Er machte unseren Glauben für die Menschen lebendig und nützlich. So war und ist er ein Vorbild."
Bischof Aichern habe ihm die Gabe vermittelt, "mit ganzem Herzen im Gespräch da zu sein", teilte Weihbischof Johannes Freitag mit. "Seine Menschenfreundlichkeit und sein gütiger Blick waren für mich damals ein gutes Beispiel für glaubhafte Nachfolge."
Militärbischof Werner Freistetter erinnerte sich an den verstorbenen Linzer Altbischof als "außerordentlich herzlichen und gütigen Menschen". Beeindruckt hätten ihn Aicherns unermüdliches soziales Engagement und sein hoffnungsvoller Blick auf die Zukunft von Kirche und Gesellschaft - "eine Einstellung, die von tiefem Gottvertrauen zeugt". Bis ins hohe Alter habe Aichern viele kirchliche Dienste ausgeübt. "Dafür habe ich ihn sehr bewundert", so Freistetter.
Auf die benediktinische Prägung des Verstorbenen verwies Sr. Franziska Madl in ihrem Statement als Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz: "Bischof Maximilian Aichern war als Hirte und Seelsorger ganz nah bei den Menschen. Als Ordensmann hatte er außerdem eine besondere Aufmerksamkeit für die Bedeutung und die Bedürfnisse von Ordensleuten in der Kirche und darüber hinaus." Aichern sei, wann immer es ihm möglich war, bei Veranstaltungen wie dem jährlichen Ordenstag dabei gewesen. "Wir werden ihn sehr vermissen, wissen ihn aber in Gottes liebenden Händen. Danke für alles!", schloss die Priorin der Dominikanerinnen in Wien-Hacking.
Al eine "von Bischof Maximilian sehr geprägte Linzerin auf der Ebene der Österreichischen Bischofskonferenz" meldete sich die Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts (ÖPI), Gabriele Eder-Cakl, zu Wort. Sie übermittelte "ein großes DANKE" dafür, dass Aichern sie "durch seinen Glauben und sein Hirte-Sein als Christin und in meinem Berufsleben begleitet und geprägt" habe. Besonders in Erinnerung sei Eder-Cakl die Ermunterung des Verstorbenen: "Lasst euch die Freude am Christsein nicht nehmen."
Vor dem Hintergrund des von Papst Franziskus angestoßenen weltweiten synodalen Prozesses und dem Bild einer synodalen Kirche, die gemeinsam am Weg ist, erschienen viele davor liegende Entscheidungen von Bischof Aichern ganz in diesem Sinne, erinnerte die Theologin. Bemerkenswert sei seine Wertschätzung für die Bedeutung von Frauen und Laien in der Kirche gewesen: Eder-Cakl habe diese selbst als Pastoralassistentin, Leiterin des Kommunikationsbüros, eines Bildungszentrums und des Pastoralamtes der Diözese Linz aus dem Mund des Bischofs erfahren, und sie sei auch zum Predigtdienst und zur Taufspendung in einer Pfarre beauftragt worden. Bereits in den 1990er-Jahren habe sich Aichern bei einer Weltbischofssynode für das sakramentale Diakonat für Frauen eingesetzt.
Aicherns Überzeugung als Sozialbischof - "Die Wirtschaft ist für die Menschen da und nicht umgekehrt" - und sein Engagement für Menschenwürde, Gerechtigkeit und "ein gutes Leben für alle" seien "Visionen auf dem Boden der christlichen Botschaft" gewesen. Eder-Cakl über den Bischof: "Er hat durch seinen Einsatz hier auch wirklich etwas zum Guten bewegt."
Auch die KU Linz trauert um Aichern, der als Linzer Bischof auch "Magnus Cancellarius" der Katholischen Privat-Universität war. "Das Gespräch suchen" habe der Titel eines der Kapitel des Österreichischen Sozialhirtenbriefs 1990 gelautet - "und es könnte auch die Überschrift über Leben und Werk von Bischof Maximilian Aichern OSB sein", würdigte Rektor Michael Fuchs den Verstorbenen. Ob bei der Diözesanversammlung in der Diözese Linz, dem "Dialog für Österreich" der Kirche Österreichs, dem Sozialhirtenbrief der Österreichischen Bischöfe oder dem Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen, Aichern sei für eine neue Kultur des Gesprächs zwischen unterschiedlichen Interessengruppen in Kirche und Gesellschaft gestanden, lange bevor Synodalität zum Programm der Kirche wurde.
Dass die Kirchen in Fragen der Gestaltung der Politik und des gesellschaftlichen Zusammenlebens nicht nur das Recht, sondern die Pflicht zur Stellungnahme haben, betonte Bischof Maximilian nach den Worten von Fuchs immer wieder. Als Beispiele nannte der Linzer Ethik-Professor den Schutz des Sonntags, die Energie- und Umweltpolitik, die Europäische Einigung, die Sozialpolitik oder das Zusammenspiel der Sozialpartner im Wirtschaftssystem. "Bischof Maximilian stand für einen sozialen und politischen Katholizismus, der keine Scheu vor Kontroversen und keine Berührungsängste mit den unterschiedlichen Parteien, Organisationen und Gruppen in Österreich hatte", schrieb der KU-Rektor. Gern habe er in Anekdoten von den Zeiten berichtet, als es noch Irritationen hervorrief, wenn ein Bischof allzu intensiven Kontakt "zu den Roten" pflegte.
In einer Zeit, in der "herablassendes Gerede über angeblich 'faule' Menschen ohne Erwerbseinkommen" und Empfänger von sozialen Transferleistungen in der Gesellschaft ebenso in Mode gekommen sei wie die Kürzung von Sozialleistungen in der Politik, wird das Gedenken an Aichern laut Prof. Fuchs zur Mahnung und Verpflichtung: "Die Verteilungsgerechtigkeit muss uns allen auf der Seele brennen", habe der Bischof betont.
Die KU Linz Linz wisse sich dem Andenken des Sozialbischofs in Dankbarkeit verpflichtet, besonders mit ihrem Studien- und Forschungsschwerpunkt Wirtschaft - Ethik - Gesellschaft, dem Johannes Schasching-Institut für Christliche Sozialwissenschaften, dessen Gründung Aichern noch begleitete, und nicht zuletzt mit der jährlichen Maximilian-Aichern-Gastvorlesung.
Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) würdigte Bischof Aichern als eine ihrer zentralen Gründerpersönlichkeiten. Das Gedenken an die Opfer des NS-Terrorregimes und der Einsatz für ein "Niemals wieder!" seien für den Verstorbenen ein wichtiges Anliegen gewesen, erklärte MKÖ-Vorsitzender Willi Mernyi. Der Tod dieses "Leuchtturm des Erinnerns" "schmerzt und ist menschlich und gesellschaftspolitisch ein großer Verlust".
Landeshauptmann Thomas Stelzer spricht in einer Aussendung den Angehörigen, den Mitbrüdern im Orden, den Gläubigen der Diözese Linz sowie allen Menschen, die Aichern verbunden waren, sein tief empfundenes Beileid aus und ruft dazu auf, des Verstorbenen in Dankbarkeit zu gedenken. „Altbischof Maximilian Aichern war eine moralische und geistige Säule unseres Landes. Sein unermüdliches Eintreten für soziale Gerechtigkeit, die Würde jeder einzelnen Person und den Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft bleiben Vorbild und Auftrag für uns alle. Sein Leben war mehr als ein Amt – es war ein Dienst an den Menschen. Mit seinem tiefen Glauben und seinem offenen Herzen hat er vielen Mut gemacht. Wir verlieren einen großen Seelsorger und einen bedeutenden Vertreter des sozialen Gewissens in Österreich.“, sagte der Landeshauptmann.
Ferdinand Kaineder schreibt in einer Stellungnahme: "Mit Bischof Maximilian Aichern verlieren wir einen Menschen, der breite Menschlichkeit gelebt hat, auf menschliche und empathische Weise auf alle zugegangen ist und allen ein offenes Ohr geliehen hat. Er hat sich persönlich anrühren lassen von den jeweiligen Lebenssituationen und alle beim Namen genannt. Immer wieder haben wir erlebt, wie er sich erkundigt hat, wie es den Kindern geht oder Grüße an die Familien ausgerichtet hat. Seine wertschätzende und hellwache Haltung hat viele Menschen angesprochen, imponiert und aufgerichtet. Immer war seine besondere Hinwendung zu den Schwächeren im Vordergrund. Dankbarkeit hat er ausgestrahlt und eine aufrichtende dankbare Lebenshaltung bei vielen gestiftet.
Mit Bischof Maximilian verlieren wir einen besonderen Mitchristen der Tat. Soziale Gerechtigkeit und grenzenlose Zusammengehörigkeit und Solidarität hat er als besonderen Auftrag für sich aus dem Evangelium abgeleitet. Er ist aufgestanden, wo es eine starke Stimme für die Benachteiligten gebraucht hat. „Höre“ ist das erste Wort in der Benediktus-Regel und das hat er ganz und gar gelebt. Er war immer umringt von Menschen, die sich an ihm wärmen konnten. „Coraggio“ hat er den Menschen und Mitchristen immer wieder ermutigend zugerufen. Das Gespräch war sein „Heilungsinstrument“. Buchstaben und Worte können dieses Christenleben der Tat nicht einfangen.
Mit Bischof Maximilian verliefen wir einen Hirten mit und unter uns, der unter den Menschen Vertrauen und Zutrauen geschürt hat. Er hat sich als Diener in der vielfältigen Einheit verstanden und trotz Anfeindungen gelebt. Synodal gefasste Entscheidungen hat er als seinen Arbeitsauftrag geduldig und auch gegen Widerstände von oben abgearbeitet. Als Brückenbauer hat er immer das vielfältige Gemeinsame gestärkt. Anfeindungen hat er stets direkt besprochen und auch geduldig ertragen. Die auf ihn zurückgehenden Einrichtungen, Initiativen und Organisationen sind nicht alle hier aufzählbar. Wir behalten ihn als Solidaritätsanstifter und in allem bescheidenen Bischof in Erinnerung.
Von 1982 bis 2005, also seine ganze bischöfliche Amtszeit in Linz, war Bischof Maximilian auf Österreichebene als Referatsbischof für die Katholische Aktion mit ihren Gliederungen zuständig. Er hat sich 23 Jahre lang für alle Hauptversammlungen und viele Präsidiumssitzungen Zeit genommen, hat viel zugehört, Anregungen gegeben und dabei nicht nur die Organisation, sondern die vielen meist ehrenamtlich Engagierten gestärkt und ermutigt. Das Laienapostolat im Sinne der Katholischen Aktion war für ihn aus der Katholischen Arbeiterjugendkommend wesentlich für eine jesuanisch-christliche Weltgestaltung als Kirche in der Jetztzeit. Bis zuletzt hat er sich persönlich eingesetzt für eine entsprechende Ausstattung der KA, damit sie ihre vielfältigen Aufgaben in der Kirche und Welt erfüllen konnte. Eine faire Arbeitswelt, ein arbeitsfreier Sonntag, ein Wirtschaften um der Menschen willen, globale Gerechtigkeit, eine ehrliche geschlechtergerechte Kirche mit den Frauen in allen Ämtern, ein nachhaltig sozial-ökologisch-spirituelle Welt, ein Dagegenstemmen gegen die wachsende Ungleichheit sind nur fragmentarisch in Erinnerung gerufene Themen, für die er gelebt hat.
Persönlich und als Katholische Aktion verneigen wir uns in tiefer Dankbarkeit vor diesem Menschen, diesem Christen und diesem Bischof.“
Stefan Pimmingstorfer sagt in einer Stellungnahme: "Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Altbischof Maximilian Aichern, dessen Tod uns tief bewegt. Die Caritas OÖ gedenkt seiner in Dankbarkeit und Hochachtung. Er war für mich ein Bischof, der nicht nur mit Worten, sondern mit seinem ganzen Leben bezeugte, wofür die Kirche steht: für Nächstenliebe, Gerechtigkeit und den Dienst an den Menschen. Fast ein Vierteljahrhundert hat Bischof Aichern die Diözese Linz mit seinem weiten Herzen, seiner Menschenfreundlichkeit und seinem tiefen Glauben geführt. Getreu seinem Wahlspruch „In caritate servire – In Liebe dienen“ war sein ganzes Wirken von gelebter Nächstenliebe, sozialem Engagement und unermüdlichem Einsatz für die Schwächeren geprägt und hat viele inspiriert – auch uns in der Caritas. Maximilian Aichern war ein „Sozialbischof“ im besten Sinn – weit über die Grenzen Oberösterreichs hinaus. Er war eine Stimme für die, die oft keine haben: für Arbeitslose, Obdachlose oder für Flüchtlinge. Ein besonderes Herz hatte er auch für Kinder und für alle Menschen, die auf Solidarität angewiesen sind. Er hat nicht nur gesprochen, sondern gehandelt – beherzt und verbindend. Sein Lebensstil war schlicht, sein Dienst stets von der Frage geleitet: Was braucht der Mensch – und was braucht unsere Gesellschaft, um menschlicher zu werden? Hier wirkte ein Mensch, der sich nicht scheute, Verantwortung zu übernehmen und der selbst mit anpackte, wenn Hilfe gebraucht wurde. Altbischof Aichern war uns ein geistlicher Wegweiser und ein menschliches Vorbild. Sein Wirken bleibt für mich und die Caritas Auftrag und Ermutigung zugleich."

Stefan Kronthaler ist Redakteur der Wiener Kirchenzeitung „Der SONNTAG“.
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