Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen
„Nichts Besseres hätte uns passieren können“, sagt P. Bernhard Pagitsch, der in der Eingangshalle des Schlosses Riedegg steht. Der 90-jährige Mariannhiller Missionar zeigt auf die Wand, auf der sich eine Galerie von kleinen Info-Tafeln findet. Sie sind beschriftet mit Angeboten und Namen von mehr als 30 Fachärzt:innen und Therapeut:innen, die in den historischen Gemäuern ein interdisziplinäres Gesundheitszentrum eingerichtet haben. „Das passt so gut zu unserem Geist, wir sind so froh über diese Lösung“, betont P. Bernhard. Was er Lösung nennt, wurde notwendig, weil die Mariannhiller Missionare der österreichischen Provinz so wenig und so alt geworden waren, dass sie das Haus nicht mehr führen und erhalten hätten können. Vor zehn Jahren kaufte eine Gruppe von sieben Personen, die sich dem Geist des Hauses verbunden weiß, das Schloss. Die Mariannhiller Missionare, die auf Schloss Riedegg lebten, sind im Zuge des Verkaufs in einen einzigen Trakt des Gebäudes übersiedelt und können dort ihren Lebensabend verbringen. Fünf Ordensleute bilden nun die Kommunität auf Schloss Riedegg.
Nachdem die Mariannhiller Missionare schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Linz eine kleine Niederlassung hatten, suchten sie in der Zwischenkriegszeit nach einem größeren Objekt, um dem „Missionsboom“ in der katholischen Kirche gerecht werden zu können. Schloss Riedegg wurde Sitz der österreichischen Provinz und erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg eine Blütezeit. Es entwickelte sich zu einem Missionszentrum mit einem florierenden Verlag und zur Ausbildungsstätte für dutzende Missionare. Das Schloss musste sogar um einen Trakt erweitert werden. Ein Meierhof, der bis in die 1970er-Jahre von Missionsbrüdern bewirtschaftet wurde, sicherte die eigene Versorgung.
Von der Landwirtschaft, dem Garten und dem Buchverlag weiß Bruder Franziskus Pühringer viel zu erzählen. Der heute 86-Jährige war einer der „Reisebrüder“, die sechs bis sieben Monate im Jahr in ganz Österreich zu Multiplikator:innen unterwegs waren, die die Mariannhiller Zeitschriften vertrieben.
Der Renner war der Jahreskalender, der eine Auflage von 60.000 Exemplaren erreichte. Aber auch die Missionszeitschrift „Vergissmeinnicht“ – in ihren besten Zeiten an die 18.000 Exemplare – und das „Missionsglöcklein“ für die Kinder hatten eine respektable Verbreitung. Mit dem Schriftenapostolat wurde der „Missionsgedanke“ im Land lebendig gehalten, wie Br. Franziskus betont, und natürlich auch ein Netzwerk an treuen Spender:innen aufgebaut. Niemand in Riedegg hat bislang die Summen zusammengerechnet, die in all den Jahrzehnten an Spenden eingegangen sind und bis heute eingehen. Aber nur durch diese Beträge war die Arbeit der unzähligen Mariannhiller Missionare möglich. Und bis heute lässt die österreichische Provinz, die inzwischen mit Deutschland und der Schweiz zur Provinz Mitteleuropa geworden ist, ihre Mitbrüder in der Mission nicht im Stich. P. Winfried Egler und P. Bernhard Pagitsch haben das selbst erfahren. P. Winfried war 53 Jahre Missionar in Südafrika, ehe er 2021 zurückkehrte. Nicht nur die politische, auch die kirchliche Situation hat sich in den Jahrzehnten grundlegend geändert: Als er 1968 ins Land kam, gab es noch Scharen von erwachsenen Männern, die um die Taufe baten – nach der damaligen Terminologie: Heiden, die Christen wurden. „Diese Phase ist längst abgeschlossen“, betont P. Winfried. Er denkt gerne an Südafrika, manchmal träumt er auch von dieser Zeit. Er hält natürlich Kontakt und hat erst kürzlich einen Computerspezialisten begleitet, der ein Programm für Pfarren in seiner ehemaligen Diözese entwickelt hat.
P. Bernhard Pagitsch arbeitete 41 Jahre in Südafrika und weist auf die Apartheid hin, die bis 1994 herrschte. Wollte man bei einem Ausflug mit einheimischen Ordensleuten gemeinsam essen, war das unmöglich: Schwarze durften nicht in Restaurants für Weiße und umgekehrt. „Wir haben miteinander im Freien Picknick gehalten.“
Schwerpunkt der Tätigkeit der Mariannhiller Missionare ist nach wie vor das südliche Afrika, wo die Gemeinschaft ihre Wurzeln hat: in der Nähe der Hafenstadt Durban gründete Abt Franz Pfanner 1882 auf dem „Maria-Anna-Hügel“ Mariannhill, das erste Kloster. In atemberaubendem Tempo baute er Missionsstation um Missionsstation. Auch eine Kongregation für Ordensfrauen, die Missionsschwestern vom kostbaren Blut, hat er ins Leben gerufen.
Vom fernen Afrika zurück nach Riedegg: Die kleine, von zwei Frauen gut betreute Mariannhiller Ordensgemeinschaft freut sich, dass sie täglich in der Schlosskapelle Eucharistie feiern kann. Dieses Angebot wird von einer über lange Jahre gewachsenen Gottesdienstgemeinschaft sehr geschätzt. Organist ist Br. Helmut Wiese, der in Gallneukirchen als Religionslehrer tätig war und die bis heute aktiven Gallus Singers gegründet hat.
Alle zur ehemaligen Österreichischen Provinz gehörigen Mariannhiller haben im Schloss Riedegg Wohnrecht auf Lebenszeit. Ein einziger, ein 88-jähriger Missionar, könnte es theoretisch zusätzlich zu den derzeit fünf Ordensleuten noch in Anspruch nehmen: Aber er wird in Südafrika bleiben, erklärt Provinzial P. Christoph Eisentraut, der bei seinen Mitbrüdern in Riedegg zu Besuch ist. P. Bernhard Pagitsch hat das letzte Wort: Er unterstreicht, wie froh sie alle sind, in einem vertrauten und so wohlwollenden Umfeld leben zu dürfen.
Zum großen Bild:
Provinzial P. Christoph Eisentraut (Mitte) mit der Mariannhiller Kommunität im Afrika-Museum des Schlosses Riedegg: P. Bernhard Pagitsch (von links), P. Winfried Egler, Br. Helmut Wiese und Br. Franziskus Pühringer. P. Franz Hrouda konnte wegen eines Arztbesuchs nicht zum Fototermin kommen. P. Franz arbeitete als Pfarrer und Seelsorger in der Diözese Linz.

Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen
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